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10 Fragen an Sandra von Zabiensky
Titelfoto: Tobias Koch

10 Fragen an Sandra von Zabiensky

Von Kristin Rübesamen

Sandra von Zabiensky liebt tantrische Philosophie und Quantenphysik, hört am liebsten Old School Hip-Hop, steckt ständig ihre Nase in ein Buch – und ist davon überzeugt, dass unser Herz unsere Heimat ist. Ach, und dann ist sie noch Yogalehrerin – unter anderem bei YogaEasy!, Autorin, Lululemon-Ambassador und Unternehmerin. Sie glaubt daran, dass Yoga transformiert – denn das hat sie an sich selbst erlebt. Sandras wichtigstes Ziel ist anderen dabei zu helfen, ihr Potenzial, ihre Lebensfreude, ihr inneres Lachen wiederzuentdecken. In ihren Anusara®-Elements-Klassen ist sie nahbar und ehrlich und legt den Schwerpunkt auf eine lebensnah ausgelegte tantrische Philosophie sowie das freudvolle Üben nach den universellen Ausrichtungsprinzipien.

10 Fragen an Sandra von Zabiensky

1. Auf einer Skala zwischen 1 und 10: Wie glücklich bist du jetzt gerade?

Eine solide neun. Vermutlich ist ja immer Luft nach oben? Ich bin einfach puppenrundumglücklich im Sinne von zufrieden, frei und friedvoll und randvoll mit einem inneren Lächeln. Aber das ist eine Art innerer Blueprint-Zustand geworden – ich blicke gerade selbst mit Erstaunen darauf, dass sich das einfach so hält, egal was passiert.

2. Wie war dein erster Kontakt mit Yoga?

Sandra von Zabiensky Yogalehrerin YogaEasy

Meine wirklich allererste Yogastunde war in einem Resort an der Ostsee, ein Firmenausflug meiner mit einer sehr guten Freundin gerade frischgegründeten Agentur, in der ich auch immer noch arbeite. Wir saßen auf dicken Matten in einem echt schönem Raum und ich – ich schüttelte mich vor Lachkrämpfen, weil die Lehrerin uns immer aufforderte, negative Gedanken wie schwarze Rauchschwaden auszuatmen. Ich fand das unfassbar bescheuert, und für mich war ab da an klar: Yoga ist esoterische Krankengymnastik und nichts für mich. Tja. Dann kam das Surfen, die Feststellung, dass ich mehr auf das Brett heraufklettere, als einen eleganten Pop-up hinlege und auf dem Board wie eine besoffene Spinne hocke. Ich wollte flexibler werden, ging dann zum ersten Mal zum Bikram und ja, ab da hatte es mich dann gepackt.


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3. Wie ehrgeizig bist du? Leidest du unter den Ansprüchen, die du dir selbst stellst?

Nein, nicht mehr. Aber das ist ehrlich gesagt total frisch. Ich war früher unfassbar ehrgeizig, habe in meinem Studium wie eine Irre gelernt und auch supergut als einer der besten abgeschlossen. Dann musste es unbedingt eine (nur angefangene, nicht beendete) Promotion sein, schließlich hört sich Dr. Sandra von Zabiensky schon verdammt cool an... Eine PR-Karriere begann, die erste eigene Firma folgte, die zweite Agentur, tja, und dann der komplette Zusammenbruch meines Umfelds, das mich dann wahrhaft zum Yoga geführt hat. Nicht als funky Turnen auf der Matte, sondern als philosophisches System. Von da an ging es los, aber mein Ehrgeiz hatte mich auch beim Yoga in der ersten Zeit noch so richtig schön im Griff. Ich WOLLTE zu YogaEasy, ich WOLLTE Lululemon-Ambassador werden, ach, was ich alles wollte!

Dann kam mit der Tantra-Philosophie und -Praxis der totale Wendepunkt. Ich wollte nur noch eins: meinem brennenden Herzen folgen, dem Impuls, genau das, was ich jetzt tue weiterzugeben, eben nicht nur Asana, sondern mehr ein Rundumpaket aus tantrischer Philosophie, Reflektionen, Übungen, Meditationen, wenn ich sie denn wirklich durchdrungen habe. Aber auch meine Liebe zum Schreiben, meine Poesie – all das erfüllt mich so unglaublich, dass es einfach keinen Plan B dazu gibt. Es ist der allererste Impuls, genau das zu tun, und ich lasse mich voller Liebe und Hingabe auf diesen ungewissen Weg ein. Lustigerweise kam dann alles, was ich damals so dolle wollte, als es mir nicht mehr so wichtig war. Und klar gibt es Leute, die dich behämmert finden und klar, gibt es Kritik. Besonders bei mir, ich scheine zu polarisieren, aber wenn du wirklich daran glaubst und genau das auch in die Welt bringst – dann gibt es einfach keine Zweifel. Nur ein Tun, ein Hingeben an das Fallen – das durch deine Entscheidung zur Verletzlichkeit zum völligen Einlassen auf den Prozess zum Fliegen wird.

4. Warum hast du dich entschieden, Yoga auch zu unterrichten? Was ist das Besondere an deinem Unterricht?

Sandra von Zabiensky Yogalehrerin YogaEasy

Finde ich sehr interessant die Frage, weil: Ich habe sie mir ganz ehrlich noch nie gestellt. Es war mir einfach völlig klar, dass ich das tun würde. Es gibt doch in jeder Ausbildung diese Runde, wo gefragt wird, wer unterrichten möchte, und alle sagen immer, sie machen es nur so für sich. Ich habe das in meiner ersten Ausbildung auch gesagt, aber damals dachte ich, es wäre zu unbescheiden, wenn ich sage: Na klar will ich unterrichten. Tatsächlich war es sogar ziemlich abgefahren, da ich einen inneren Film im Kopf ablaufen hatte, als ich dran war mein Statement abzugeben: Eine Unterrichtssituation nach der anderen poppte in meinem Kopf auf. Deshalb: Keine Ahnung. Es war eine innere Gewissheit. Iccha-Shakti, im Tantra die Kraft des präkognitiven Willens und Wollens, da haben wir es wieder.

Das Besondere an meinem Unterricht? Also, ich bin nicht der abgefahrene Asana-Lehrer, der dir „Press-up Handstand“ zeigt. Bei mir wäre es eher der „Fall-down Handstand“. Bei mir steht ganz klar die Tantra-Philosophie und -Praxis in Verbindung mit den Asanas im Vordergrund, die ich, glaube ich, ganz gut nachvollziehbar und leicht verständlich rüberbringen kann. Jedenfalls ist das das Feedback, das ich bekomme. In der Klasse webe ich auch immer Reflektionen oder Atemtechniken und Visualisierungen aus meiner tantrischen Praxis ein, nicht in der originalen Form, sondern abgewandelt, aber dennoch empfinde ich es als sehr kraftvoll.

Ansonsten bin ich radikal ehrlich und nahbar, meine Klassen sind manchmal auch lustig und berührend. Na klar, Asana praktizieren wir eben auch, dabei immer angepasst an das Thema. Beispiel: Am Wochenende habe ich beim Würzburger Yogafrühling unterrichtet. Das Thema war liebevolles Bewusstsein. Ich berichtete, wie ich morgens meinen durchaus großzügig bemessenen Poppes beim Zähneputzen im gegenüberliegenden Spiegel entdeckte. Ich twerkte ein bisschen, ließ alles wackeln und nickte mir anerkennend zu und dachte: „Stabile Alte“. Im Sinne von „Jawoll, saftig!“. Ich bin eher ein fröhliches Yoga-Gnu als Yoga-Gazelle, aber verdammt, ich liebe diesen Körper. Das hat mir Tantra geschenkt. Jetzt nicht durch das „Ineinanderstecken Neo-Tantra“, das mit dem Orginal nichts zu tun hat. Sondern eben die Praxis, die wir aus einem Tantra, einem Schriftstück, lernen. Zum Beispiel das Svabodha-mañjarī Tantra, das ich in Würzburg als Beispiel anführte. Du lernst erst im Klitzekleinen, alles liebevoll und staunend wahrzunehmen: wie die Süße von Schokolade im Mund vergeht und wohin sie entschwindet. Wie das angenehme Gefühl einer Fußmassage sich langsam in dir auflöst. Und die Erforschung: Wohin löst es sich auf? Diesen Ansatz der inneren Erforschung habe ich mit in die Asana-Praxis genommen, die intensiv in Eko Raja Kapotasana mündete. Weit offen, liebevoll alles was ist und geht, annehmend. Es war eine so schöne Erfahrung, bei der auch die eine oder andere Träne geflossen ist.

5. Welchen irdischen Besitz schätzt du am meisten?

Worauf ich nicht verzichten könnte, wäre mein Laptop oder irgendetwas anderes zum Schreiben. Und meine Bücher. Ohne Bücher geht es gar nicht.

Sandra von Zabiensky Yogalehrerin YogaEasy

6. Was bedeutet das erste Sutra aus Patanjalis Yoga Sutra, Atha Yoga-anushasanam, für dich?

Ganz ehrlich? Nichts. Ich habe keinerlei emotionale Bindung daran und folge auch nicht diesem Weg, der ja nur einer von unzähligen Yogawegen ist, aber ein wirklich toller, der für viele Menschen funktioniert. In den alten Schriften gibt es aber zum Beispiel auch einen 15-gliedrigen Yoga-Weg und das „Śāradā-tilak“ Tantra zählt 20 Yamas und Niyamas auf. Das finde ich manchmal lustig: Wir denken, wir wissen genau, was Yoga ist, aber wir kennen nur einen winzigen Bruchteil. So, Klugscheißermodus aber mal aus, denn was ja letztlich nur wichtig ist: Egal wie, und in welcher Form, wenn es für jemanden wirkt und nützlich ist, dann bin ich die erste, die sagt „hell yes, do it!“. Meine Freundin Stephanie Schönberger hat zum Beispiel auch ein unglaublich cooles Buch dazu geschrieben und die Patanjalis Yamas und Niyamas auf ihren Familienalltag übertragen. Der Wahnsinn!

Zurück zu dem, was mir etwas bedeutet: Ich kann dir mein Lieblingssutra nennen, das mich immer wieder tief berührt. Das ist Sutra 20 der Pratyabhijñā-hrdaya in der Übersetzung von Dr. Christopher Wallis. Ich habe versucht, es auf Deutsch zu übersetzen, bin aber kläglich gescheitert: „Then, due to continuous Immersion into the fully expanded ,I’ – which is in essence the fusion of Illumination and Joy, and is the great potency of all mantras – one attains the state of being the Lord of the innate Circle of the goddesses of awareness, who are constantly engaged in the emanation and reabsorption of all things. All this is Siva. May it be a blessing.”

Ich könnte dir jetzt so viel über die Bedeutung für mich erzählen, bis du schnarchend mit dem Kopf vornüberkippst, deshalb in der Essenz das für mich Wichtigste: Mein Leben entfaltet sich in Leichtigkeit und Vollkommenheit, nicht nur in Freude und Lachen, sondern auch in Trauer und Schmerz, und alles, genauso wie es ist, ist perfekt. Die Essenz in mir, die nicht beobachtet werden kann, sieht mit Staunen und Wundern absolut liebevoll auf dieses verrückte Ding, das mein Leben ist und das mit all seinen bekloppten wie schönen Wendungen genauso perfekt ist. Genauso wie ich schon vollkommen bin und alles an Potenzial in mir ist. In jeder Situation bietet sich die Gelegenheit einzutauchen, aufzugehen: in den natürlichen Flow des Bewusstseins, in der pulsierenden, universellen Lebendigkeit, mal eng, mal weit, und in der allumfassenden Liebe, in der wir alle existieren. So fühlt es sich für mich an.

7. Was hat Yoga mit Liebe zu tun (und warum sind Beziehungen manchmal so schwierig)?

Sandra von Zabiensky Yogalehrerin YogaEasy

Ist das wirklich so? Werden sie schwieriger? Ich glaube, wenn du praktizierst, wirst du eher zeitgleich stärker und verletzlicher. Du hast keine Angst mehr zu lieben. Du siehst Schönheit in so vielem. Es ist eine universelle Liebe, die du mit deiner Praxis kultivierst und entwickelst. Noch mal vom Wochenende ein Beispiel: Es gab einen wunderbaren Satsang am Samstag in Würzburg mit Katrin Neelam. Die Menschen sprangen auf, tanzten, waren glücklich. Ich saß ganz still an der Wand im Raum, und mir liefen die Tränen über das Gesicht – einfach, weil alle so unglaublich schön waren. Das heißt jetzt nicht, dass du jeden lieben musst. Du erkennst aber: Das, was durch dich auf die Welt schaut, ist genau das, was auf dich durch unzählige Augen schaut.

Daher werden Beziehungen eher einfacher, denke ich, jedenfalls für mich zurzeit. Weil ich total ehrlich bin und versuche, mir keine Storys im Kopf zusammenzubauen, warum dieser Mensch sich jetzt so verhält, wie er sich verhält. Das ist nicht immer leicht und erfordert Mut, manchmal wird man auch zurückgewiesen, manchmal beende ich Beziehungen, manchmal finde ich Menschen auch so richtig bescheuert  – aber so ist das Leben. Das ist okay so. Das alles kannst du sowieso im tantrischen Sinne für dich nutzen, als Energie, um reinzugehen in Traurigkeit, Ablehnung, Wut, Schmerz. Ich bin ein totaler Gegner vom Loslassen. Ich will alles reinlassen ins Herz und verarbeiten. Und dann öffne ich, wie mein Lehrer Dr. Christopher Wallis immer so schön sagt, die Hintertür des Herzens und lasse endgültig die Story gehen, und zurück bleibt nur die Energie des Gefühls, das absolut okay ist und vollkommen da sein darf.

8. Wann bist du zuletzt vom Yogaweg abgekommen?

Sandra von Zabiensky Yogalehrerin YogaEasy

Dazu müssten wir definieren, was denn der Yogaweg ist. Ich glaube, das kann jeder nur individuell für sich festlegen. Ich persönlich kann sagen: Gar nicht, denn wenn ich mich mal behämmert verhalte, Klugscheißer bin, ungerecht etc. dann gehört das genauso zum Weg. Für mich ist Yoga weder ein perfekter Handstand noch die Erleuchtung. Für mich findet Yoga jeden Tag statt und ist jede Sekunde da. Es braucht nur dein mutiges Herz, alles zu sehen, zu hinterfragen und liebevoll lächelnd dich und überhaupt alles anzunehmen, ohne hinzunehmen. Weißt du, was ich meine? Dazu gibt es unzählige Techniken. Und dann gehst du vielleicht nicht den direktesten Weg zu einem durch und durch rund-laufenden zufriedenen Menschen, aber definitiv den landschaftlich reizvollsten und lehrreichsten. Das ist für mich der Yogaweg.

9. Welche Tugend würdest du am liebsten besitzen?

Hm. Ich würde meine Neigung zur Rechthaberei gern noch etwas weiter zügeln. Da bin ich noch dran. Und meine Leidenschaft für Pizza mit doppelt Käse und Gerichten wie Nacho-Auflauf.

10. Was kann Yoga – und was kann Yoga nicht?

Yoga kann alles, wenn du es erlaubst, es zulässt.


© Fotos: Steven Ritzer

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