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Krankheit
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Tabu: Wenn Yogalehrer krank werden

Von Kristin Rübesamen

Wir Yogalehrer lieben es, über Widerstände zu reden. Fast gehört es zum guten Ton, von unserem Scheitern, unseren Fehlern, unseren kleinen Stolpersteinen zu erzählen, die uns das Leben vor die Füße wirft. Denn wir glauben, dass jedem Widerstand eine Lektion zugrunde liegt, dass wir aus allem Pech noch etwas lernen können. Wir stellen auch abenteuerliche Thesen auf: Wer Rückenschmerzen hat, ist emotional nicht stabil, wer Schmerzen in der Hüfte hat, hat sein Liebesleben und sein zweites Chakra nicht im Griff, und Halsweh bekommt, wer seiner inneren Stimme nicht folgt. Puh. Der Refrain dieser Storys ist bekannt: Wenn wir Schmerzen haben, haben wir etwas falsch gemacht. Wir sind schuld. Wenn wir nur hingebungsvoll und diszipliniert genug üben, lösen sich die Widerstände von alleine auf.

Ich und mein sensationelles Yoga-Immunsystem

Und dann kommt der Tag, an dem du einen Wochenend-Workshop geben sollst und mit einer Seitenstrang-Angina aufwachst. Gerade noch hattest du in bester Laune Musik ausgesucht, Sequenzen vorbereitet, die Blumen gegossen, und fragst dich nun, was du falsch gemacht hast. Später beim Arzt dieselbe verstohlene Frage: „Wie konnte das nur passieren? Mir mit meinem sensationellen Yogi-Immunsystem?” Der Arzt lächelt und sagt: „So was kann doch jedem mal passieren.” Aber doch nicht mir, denkst du, ich bin doch Yogi.


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Wenn wir Yogalehrer krank werden, behalten wir es für uns. Wenn wir krank sind, machen wir ein Geheimnis daraus.  Ibuprofen 600, dazu ein doppelter Espresso und fertig ist die Stunde. Warum nur? Weil uns immer noch der 1. Vers aus dem 4. Kapitel aus Patanjalis Yoga-Sutra im Kopf herumspukt, in der es um die Superkräfte geht, die wir durch Askese erlangen können (janma-oṣadhi-mantra-tapas-samādhi-jāḥ siddhayaḥ)?

Wir haben Sorge, dass uns unsere Krankheit als professionelles Versagen angelastet werden könnte. Wir denken tatsächlich, Yogis seien nur dann gute Yogis, wenn sie unbesiegbar sind, wenn sie sich von anderen Menschen unterscheiden. Die Maßlosigkeit und Hybris, die in diesem Glauben stecken, übersehen wir.

Wir können es uns nicht leisten, krank zu werden

Der Existenzkampf, in dem viele Yogalehrer stecken, macht es nicht besser. Wenn wir nicht arbeiten, bekommen wir kein Geld. Deshalb beißen die meisten Yogalehrer die Zähne zusammen und unterrichten trotz Krankheit. Dass sie dabei ihre eigene Gesundheit riskieren und die Gefahr in Kauf nehmen, ihre Schüler anzustecken, ignorieren sie. Wir können es uns einfach nicht leisten, krank zu werden. Auf die Idee, den Körper, so wie wir es ständig predigen, tatsächlich zu respektieren und ihm so viel Zeit zu geben, wie er braucht, um gesund zu werden, kommen wir partout nicht. Dabei gibt es in jeder Krankheit tatsächlich einiges zu lernen:

  • Zu akzeptieren, was wir nicht ändern können.
  • Zu akzeptieren, dass sich das Universum nicht um uns dreht.
  • Dass wir sehr wohl ersetzbar sind.
  • Dass wir erst gesund werden, wenn wir zugeben, krank zu sein.

Sobald wir unsere Krankheit zulassen sowie uns und unseren Schülern gegenüber zugeben, krank zu sein, passiert tatsächlich ein sehr unspektakuläres, kleines Wunder. Wir werden, denn so sensibel sind wir, genau spüren, was uns fehlt und was uns guttun wird. Und genau das ist Yoga: Akzeptanz ohne Verurteilung.

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