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Streit an Weihnachten? 6 Psychotipps dagegen
Bildquelle: Shutterstock.com

Streit an Weihnachten? 6 Psychotipps dagegen

Von Dr. Sandra Spreemann

1. Schluss mit falscher Romantik!

Ein perfektes Weihnachten mit der Familie zu feiern ist ungefähr so schwierig wie den Partner seiner Träume zu finden: Nicht selten stehen dabei überhöhte romantische Vorstellungen im Weg. Unser inneres Auge produziert bergeweise Schnee, Kuschelorgien im Lichterglanz und selig drein blickende Kindergesichter. Mit dem Lebensalltag der meisten Menschen hat dieses Bild leider wenig zu tun. Deshalb kann Weihnachten allein uns nicht plötzlich glücklich machen – genauso wenig wie unser Traumpartner. Die eigene Haltung und das eigene Tun sind dafür immer mitverantwortlich – und zwar das ganze Jahr über und nicht nur an den Feiertagen.

2. Was erwartest du denn eigentlich?

Menschen, die Weihnachten miteinander verbringen, sollte man vorher fast schon an einen Verhandlungstisch zwingen... Die Erwartungen an das Fest sind so unterschiedlich wie hoch und münden unreflektiert direkt ins Krisenklima. Karsten möchte am liebsten mit Frau und Sohn allein unter dem Baum sitzen. Ina kann sich Heiligabend nur im Wohnzimmer ihrer Kindheit vorstellen. Die Schwiegereltern finden, dass jetzt mal jemand anders dran ist, eine Gans auf den Tisch zu stellen. Und die pubertierenden Kinder haben nichts anderes im Sinn, als sich nach der Bescherung unauffällig zu verdrücken – wohingegen die Patentante fest mit ihnen bei der Christmette rechnet. Das kann nicht gut gehen. Je früher du mit deinen Lieben alle Bedürfnisse ans Licht bringst, desto einfacher ist es, dazwischen zu vermitteln und Lösungen zu finden, mit denen alle leben können. Merke: „Alle Jahre wieder“ ist kein Muss. Warum nicht in einem Jahr so machen, und im nächsten dann anders?

3. Lieber Stress davor als Stress dabei!

Das Fest der Liebe setzt auch zeitlich und organisatorisch unter Druck. Mit planerischem Geschick kannst du dem schon im Vorfeld etwas entgegen setzten. Oder andern dabei helfen, entspannter in den Feiertagen anzukommen. Weihnachten ist das Fest der Liebe: Es ist ausdrücklich erlaubt, Vorbereitungen für Essen, heimelige Stimmung und allgemeine Organisation auf alle zu verteilen. Man muss nur fragen. Wer sorgt für’s Dessert? Wer holt Onkel Bernhard ab? Was ist der Plan B, wenn Blitzeis auf den Straßen ist? Wann passt es am besten, den Baum zu schmücken? Wenn vier Wochen vorher schon durchschimmert, dass sich nicht genug Unterstützung findet: Abspecken und den Beteiligten durchgeben, dass sie unter diesen Voraussetzungen etwas anderes erwartet. Zum Beispiel Bockwurst und Kartoffelsalat statt dem 3-Gänge-Menü. Oder Geschenkgutscheine – weil du mit der kryptischen Beschreibung des Schwagers sowieso wieder tagelang durch überfüllte Läden irrst und am Ende das Falsche überreichst. Vorher mitteilen (und nicht vor vollendete Tatsachen stellen) ist hier die oberste Devise. Und dann gibt es da noch die ewigen Streithähne. Müssen die an Weihnachten wirklich zusammen kommen? Oder kann man sie (bzw. sich selbst) auf unterschiedliche Treffen in den Feiertagen verteilen? Falls nicht: andere bitten, sie in getrennte Gespräche zu verwickeln und bei Tisch auf keinen Fall nebeneinander oder direkt gegenüber setzen!

4. Goodbye, Lagerkoller!

An Weihnachten soll die Familie möglichst eng zusammen rücken, so das landläufige Verständnis. Da hocken dann viele Menschen auf begrenztem Raum für längere Zeit aufeinander, und das noch unter Bedingungen, die rein gar nichts mit ihrer häuslichen Routine zu tun haben. Für manche fühlt sich das wie Internierung an. Mindestens aber prallen unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und Distanz aufeinander. Da hilft eine offiziell ausgesprochene Regel: Außer beim Essen und bei der Bescherung darf sich jeder für zwanzig Minuten abmelden, ohne hinterfragt zu werden. Kurz allein an die frische Luft oder in einem Schlafraum wieder zu sich kommen und sich innerlich abgrenzen, wirkt Wunder. Auch durch gemeinsame Spaziergänge in kleineren Grüppchen entgeht man dem Lagerkoller. Gastgeber fahren gut damit, zu Bewegung und Aktivitäten anzuregen, Spiele parat zu haben oder mit den Kindern einen kleinen Wettbewerb zu veranstalten. Denn passives Herumsitzen und Konsumieren fördern Unzufriedenheit und Konfliktbereitschaft.

5. Enttäuschungen sind Wegweiser

Draußen regnet es bei 15 Grad, die Schwiegereltern haben dieses Jahr den Tannenbaum abgeschafft, und dein Liebster/deine Liebste schenkt dir einen ungewollten Schnellkochtopf bzw. schrill gemusterte Socken? Schwamm drüber, an Weihnachten sind Enttäuschungen einfach vorprogrammiert! Am besten, du rechnest mit mindestens drei schweren Verfehlungen deiner Umwelt. Noch besser: Nimm die Gelegenheit wahr, deine eigene Vorstellungswelt zu entzaubern. Ent„täuschung“ bedeutet, dass man einer Täuschung aufgesessen ist, und zwar einer die man selbst produziert hat. Wenn die Täuschung jetzt auffliegt, kannst du dich fragen, was das über dich aussagt. Die Annahmen, die wir darüber treffen, wie die Dinge sein sollten, sind eben doch sehr subjektiv. Oder wir haben zu niemandem darüber gesprochen. Oder es hat schlicht niemand darauf einen Einfluss. Oder wir merken, dass hinter der Enttäuschung noch etwas anders steht, was wir mit jemandem in Ruhe besprechen müssen. Dann gilt: Vermerken, vielleicht ankündigen – die Grundsatzdiskussion aber nach Möglichkeit auf nach Weihnachten verschieben! Enttäuschungen sind Wegweiser. Begrüßen wir sie und gehen wir kreativ damit um: Wenn es schon anders läuft als gedacht, kann man ja gleich noch andere alte Zöpfe abschneiden, loslassen üben, Gesten würdigen oder lustige Alternativen schaffen. Ein gut trainierter Humor ist dabei Gold wert!

6. Ausatmen nicht vergessen!

Außer vor Ehrfurcht angesichts des festlich erstrahlenden Tannenbaums sollte an Weihnachten niemand die Luft anhalten. Gerade im Festtagstrubel denkt man vor lauter Hektik oft nicht mehr ans Ausatmen. Stattdessen wird nur immer noch mehr Luft geholt, dass einem ganz schwindelig wird, oder unser Atem wird insgesamt flach und angespannt. Wenn wir nicht ohnehin schon überfordert sind, fühlen wir uns spätestens durch den Mangel an Sauerstoff und den Aufstau verbrauchter Luft so, als wären wir es. Das macht reizbar und unleidlich. Wenn du dir vor Weihnachten überlegst, wie oft du mitten im Kreis der Familie einmal bewusst deiner Atmung nachspüren willst, wirst du ans Ausatmen denken. Du kannst dir vorher auch yogische Atemübungen aussuchen, die du bei deinen kleinen Auszeiten (s. Punkt 4) durchführst. Vielleicht ist deine Familie auch offen für eine kleine gemeinsame Übung? Dann habt ihr außerdem noch eine weitere Aktivität gegen das oben erwähnte Nichtstun. In jedem Fall unterstützt ein fließender Atem dich, Familienstreitigkeiten, die sich doch nicht ganz vermeiden lassen, besser zu überstehen. Frohe Weihnachten!

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