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Raus aus der Komfortzone – jeder kann Yoga
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Raus aus der Komfortzone – jeder kann Yoga

Von Claudia Korsten-Ring

Es bewegt sich etwas in der Yoga-Gemeinschaft: Es ist eine wichtige Botschaft und Aktion, die stetig größer wird. Dennoch braucht es auf allen Seiten Verständnis, Einfühlungsvermögen und Respekt miteinander. Als Beispiel möchte ich zum Thema Yoga mit Übergewicht berichten. 

Auch Dicke können Yoga machen

Jeder kann Yoga! Das ist nicht nur so daher gesagt. Mich zur Yogalehrerin ausbilden zu lassen, war ein Schritt, um allen neugierigen Menschen Mut zu machen, den Yogaweg zu beginnen. Gerade übergewichtige Menschen scheuen sich oft, sich zu einem Yogakurs anzumelden. Mit den Rundungen eines großformatigen Körpers scheint dies, durch die Medien vermittelt, unmöglich zu sein. Aber das stimmt nicht!

Menschen mit einem „Herzkörper“ können Yoga üben. In meinen Yogakursen geht es darum, den Körper wieder neu wahrzunehmen. Jede Körpereigenschaft und Bewegungsbefindlichkeit liebevoll anzunehmen. Die Bewegungen mit diesem liebevollen Blick auf sich selbst ganz anders zu erleben. Es geht nicht darum, Leistung zu erbringen oder einem Ideal der Gesellschaft zu entsprechen. Wir wollen mit Freude unseren Körper bewegen und dabei mehr und mehr diesen Körper lieben lernen. Immer mehr den Kontakt zu unserem inneren Selbst finden und verstehen, was der Körper und der Geist möchten und brauchen. 

„Alles kann, nichts muss!“

Diesen Satz habe ich auf meinem Yogaweg verinnerlicht. Und als Yogalehrerin mit Konfektionsgröße 48 weiß ich, wovon ich spreche. Nicht alle Übungen sind so wie in den üblichen Lehrbüchern ausführbar, wenn man mit einem großen Körpervolumen übt. Um die „Weichteilhemmung“ zu überwinden, gibt es Varianten und Hilfsmittel, damit jeder seinem Körper entsprechend in die Haltung hineinfinden und die körperpositive Wirkung spüren kann. Die Haltungen werden gelenkschonend geübt und angepasst, anstatt sich zu verrenken und sich unter Druck zu setzten. So manch einer wird sich wundern, was mit einem Körper mit 100 Kilo Gewicht – oder mehr – so alles möglich ist. Das gilt für alle TeilnehmerInnen. Der Yoga passt sich dem Menschen an – nicht der Mensch dem Yoga.

Mit diesem Video kannst du X-Large Yoga ausprobieren, angeleitet von Birgit Feliz Carrasco:

Yoga Video Yoga X-Large: Basic-Yoga für Anfänger in der RückenlageYogaEasy-Video abspielen

Wer ist der bessere Yogi?

Athletische und durchtrainierte Körper sind nicht immer beweglicher. Oft übt der eine Yogi gegen die verkürzten Muskeln oder seine Muskelpakete an, während der andere Yogi eine gute Dehnfähigkeit hat und beweglichere Gelenke besitzt. Die einen üben hier die Dehnfähigkeit, und die anderen entdecken die Bewegungsfähigkeit neu oder stärken die Muskulatur. Yoga lässt sich von jedem praktizieren und die Gelenkigkeit ist vielmehr ein Resultat als eine Voraussetzung. 

Auch aufseiten der YogalehrerInnen gibt es noch Bedarf der Veränderung im Denken und Wahrnehmen. Es ist sicherlich schwierig, sich in alle TeilnehmerInnen hineinzufühlen. Wenn wir aber offen sind für unser Gegenüber, dann werden wir mit etwas Beobachtung auch herausfinden, wo es gerade schwierig ist, und gemeinsam kann dann daran gearbeitet werden, wie es besser geht.

Sätze wie „Warte, bis die Übung vorbei ist, und dann versuchst du die nächste.“ oder „Wenn die Arme zu kurz sind, dann solltest du an der Körperfülle arbeiten.“ sind ein absolutes No-Go. Dieser Mensch kommt in den Kurs, um etwas Gutes für sich zu tun und nicht, um wie so oft darauf gestoßen zu werden, dass er einmal mehr nicht genug ist. Gemeinsame Überlegungen, ob es Hilfsmittel oder Varianten gibt, die Erleichterung verschaffen, sind hier sehr hilfreich. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Selbstbewusstsein und Achtsamkeit gegenüber den KursteilnehmerInnen führen zu einer entspannten Atmosphäre im Kurs. Hier appelliere ich auch an die Ausbildungsleiter, die angehenden YogalehrerInnen zu sensibilisieren. Raus aus der Komfortzone, in der wir wissen, was zu spüren ist und wie der Körper zu bewegen ist.


Yoga X-Large: Yoga für Füllige
An vier Tagen zeigt dir Birgit Feliz Carrasco vier verschiedene Anfänger-Sequenzen für dicke Yoginis und Yogis. Darüber hinaus erfährst du in unseren Lesetipps, was du als X-Large-Yogi beachten musst – und worüber du dir gar keine Gedanken machen musst! Melde dich jetzt an!
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RUNDRUM, BIG und XXL-Yoga-Gruppen – ein sicherer Raum oder Ausgrenzung!?

Wo es noch Hemmungen gibt oder der Mut fehlt in eine Yogastunde zu gehen, bieten das RUNDRUM, BIG und XXL-Yoga-Gruppen einen sicheren Raum. In meinen RUNDRUM-Gruppen speziell für Übergewichtige wird sozusagen unter Gleichgesinnten geübt. Wie auch in allen anderen Yogakursen wird im RUNDRUM YOGA viel Körper- und Selbstbewusstsein vermittelt. 

Wir sprechen offen über die „Weichteilhemmungen“, räumen Bauch, Oberschenkel oder Busen auf die Seite, wenn sie im Weg sind. Wir finden mit den Hilfsmitteln oder Varianten ganz individuelle Positionen, die dann mit häufigem „Aaah“ und „Ach so“ ausprobiert werden. Und nicht selten wird dabei herzhaft gelacht.

Begleitet von Atem- und Meditationsübungen ist Yoga eine tolle Möglichkeit, um Körper und Seele in Einklang zu bringen. Sich in seiner Haut wohlfühlen zu dürfen und das auch auszustrahlen, ist nicht selten ein Erlebnis, das lange nachwirkt und nach dem der Geist und die Seele immer wieder verlangt. Diese Gruppen grenzen nicht aus, sie haben das Bestreben, Sicherheit zu geben. Oft ist dann der Weg in eine der anderen Gruppen kein Thema mehr.

Raus aus der Nische...

Ich möchte mit meiner Arbeit raus aus der Nische, dass Yoga ein hipper Sport-Trend ist, bei dem es darum geht, sich möglichst schick und schlank, in den tollsten Verrenkungen in der Social-Media-Welt und in den angesagtesten Studios der Stadt zu präsentieren. Yoga dient nicht dazu, nur den Körper zu trainieren, damit ja keine Pfunde das Erscheinungsbild aus der gesellschaftlichen Norm bringen oder unbedingt den Kopfstand, Handstand und Lotussitz zu können. So wie die Models auf den Titel der großen Yoga-Zeitschriften. 

Yoga ist kein Sport – Yoga ist ein Weg zu deinem inneren Selbst. Eine Lebenseinstellung mit Höhen und Tiefen, mit Licht- und Schattenseiten. Yoga zeigt dir einen anderen, ehrlichen Blick auf dich selbst. Und das können wir mit einem dynamischen Vinyasa, fordernden Iyengar-Stunden, mit einer sanften Praxis oder eben mit Yin Yoga tun.

Yoga besteht nicht nur aus der Challenge der 108 Sonnengrüße, der Sprünge, Handstand, Kopfstand und Lotussitz. Yoga heißt Sein, Spüren, Wahrnehmen mit jeder Zelle deines Körpers. Yoga ist Meditation, Achtsamkeit und Gewaltlosigkeit zu dir selbst. Und dazu gehört auch, die Grenzen zu achten.

Sind wir doch mal ehrlich: Wir müssen den ganzen Tag irgendetwas tun, fühlen, sagen, lassen, leisten. Die Leistungsgesellschaft sagt immer noch schneller, fitter, jünger, dünner, belastbarer. Wann genehmigen wir uns denn eine Pause? Wann genießen wir das gute Gefühl, wenn wir einfach mal nichts leisten müssen. Kein Vergleich oder ein möglichst perfektes Ergebnis muss hier sein. Wirklich NICHTS.

... hin zu einer Gemeinschaft mit Respekt

Lasst uns gemeinsam (LehrerInnen und TeilnehmerInnen) in den Studios, Yogaräumen, Yogaschulen, den Retreats, Immersions, Workshops und auch in den Aus- und Weiterbildungen dafür stehen, den Geist des Yoga zu verbreiten. Mit Achtsamkeit für das Thema und die Menschen, die sich damit beschäftigen und den Yoga leben möchten. Egal, wie die äußere Hülle auch sein mag, wir sind alle Menschen und haben so viel Potenzial, mit unserem Wirken etwas Gutes zu tun. Fangen wir damit an und begegnen uns und einander mit Liebe und Wertschätzung.

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