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Positivity, iss deinen Teller auf!
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Positivity, iss deinen Teller auf!

Von Kristin Rübesamen
Body Positivity. Zunächst ein irrelevanter und humorloser Einwand. Mich stört der Name. Man wird sowieso schon argwöhnisch, wenn einem eine Haltung verordnet wird, und dann noch auf Englisch. Klingt nach einem Celebrity-Kind. Ich wette, dass man sich problemlos in Malibu auf einen Spielplatz stellen kann und rufen, „Hey, Positivity, lass auch mal die anderen rutschen“.

Der Name suggeriert, dass hier ein Riesenschwindel stattfindet. Was soll positiv daran sein, sich nicht mehr in seine Lieblingsjeans quetschen zu können oder bis zum Ende seiner Tage mit einem Seidentuch einen Hühnerhals kaschieren zu müssen? Ich finde kein überzeugendes Argument für einen Badeanzug, wenn man jahrzehntelang glücklich im Bikini war, kein Argument für bequeme Latschen, wenn man schwindelerregende Pumps im Schrank hat, kein Argument für eine wattierte Allwetterjacke, die suizidal bis in die Kniekehlen hängt, wenn man doch immerzu der Typ für kurze, knappe Bomberjacken war. Niemand kann mir weismachen, dass all das egal ist. Und trotzdem verfehle ich hier gerade spektakulär das Thema.

Alle Körper sind schön, und in jedem Körper kann ich mich wohlfühlen, lautet die Kernaussage der Positivisten. Das ist definitiv gelogen. Warum? Unsere Definition von Schönheit ist voller Widersprüche. Während sich über die Hälfte von uns nicht als schön bezeichnen würde, behauptet wir trotzdem, dass Schönheit etwas ist, was man für sich selbst definiert. In diese semantische Lücke stößt der Begriff der „Body Positivity“. Er verkörpert die Hoffnung, mit der richtigen Einstellung, eine, Achtung jetzt kommt’s, „gesunde Einstellung“ zum eigenen Körper zu bekommen. Das ist, auch wenn uns die Formulierung langweilt, angesichts der vielen Frauen, die an Essstörungen leiden, extrem wichtig. Wir müssen uns immer wieder und gegenseitig daran erinnern, dass körperliche Schönheit eben nur das ist: körperlich sprich vergänglich sprich äußerlich. Und doch gibt es den Körper, und als Yogis ist er uns wichtig, über den Körper können wir den Geist beruhigen. Das ist die entscheidende Aussage des Hatha Yoga.

Yoga integriert. Das wiederum ist eine der zentralsten Funktionen dieser wunderbaren, uralten Technik. Yoga lehrt uns auch, nicht zu werten, lehrt uns, zu akzeptieren, das, was ist. Im Yoga gibt es weder positiv noch negativ. Dafür gibt es „loving kindness“, und Ahimsa, gewaltfreien Umgang mit uns und anderen. Yoga beruhigt unseren Geist, lässt das Misstrauen, mit dem wir unseren Körper begutachten, kleiner werden, lässt uns lächeln über den Zwang, einem bestimmten Ideal genügen zu wollen. Das sich sowieso immerzu ändert. Wer würde heute gerne wie auf einem Barockgemälde pausbäckig und breithüftig herumlaufen? Andrerseits, who cares?

Yoga lehrt uns, darauf zu achten, wie wir uns fühlen, nicht wie wir aussehen. Yoga lehrt uns, uns um unsere Gesundheit zu kümmern, unser Herz zu öffnen, verletzlich zu bleiben und dadurch stark zu werden, Verantwortung zu übernehmen, in aller Bescheidenheit Helden zu sein. Mit einem klaren Geist und einem starken Körper. Mit einer Durchlässigkeit, die uns mit allen Menschen verbindet. Das ist ein so viel stärkeres Konzept als es Schönheit jemals zu bieten hat. Auch wenn es einen unempfindlich für Moden und Mode macht. Aber, wie mein guter Freund und Jivamukti-Lehrer Michi Kern immer sagt: „Yoga versaut einem alles.“

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