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Nadis - Energiekanäle des Lebens
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Nadis – Energiekanäle des Lebens

Von Saskia Schmitz-Tietgen

Definition: Nadi – was ist das eigentlich?

Das Wort „Nadi” stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie Röhre oder Kanal. Der Begriff kann aber auch auf das Wort „Nad” zurück geführt werden, was so viel bedeutet wie Bewegung oder Puls. Nadis werden als Leiter von subtiler Lebensenergie (Prana) bezeichnet. Diese Lebensenergie kann sich grobstofflich, also: körperlich, ausdrücken oder erfahrbar gemacht werden wie etwa bei der ayurvedischen Pulsdiagnose. Diese wird auch Nadi Pariksha (Pariksha: Untersuchung, Diagnose) genannt. In diesem Fall fließt Energie in Form von Blut durch eine Blutbahn. Diesen Energiefluss kannst du mittels der Pulsdiagnose erfahren. Prana fließt aber auch nicht sichtbar oder messbar, z. B. als Gedankenkraft, durch uns hindurch.

Die 14 wichtigsten Nadis

Über die Anzahl der Nadis gibt es je nach Yoga-Schrift unterschiedliche Angaben. So wird in der Sivasamhita (neben der Hatha Yoga Pradipika eine der Hauptschriften des Hatha Yoga) von 350.000 Nadis gesprochen. In der Hatha Yoga Pradipika hingegen ist von 72.000 die Rede. Wie viele es nun letztlich sind, kann nicht genau gesagt werden, da sie nicht per Sezieren des menschlichen Körpers zum Vorschein gebracht werden können.

Häufig werden allerdings 14 Nadis als bedeutend betrachtet. Die drei wichtigsten sind Sushumna, Ida und Pingala, auf die ich gleich eingehen werde.

Zudem gibt es noch elf weitere wichtige Nadis:

  • Gandhari soll vom linken Auge bis zum großen Zeh des linken Fußes laufen.
  • Hastijihva läuft vom rechten Auge ebenfalls zum großen Zeh des linken Fußes.
  • Pusha soll vom rechten Ohr zum großen Zeh des rechten Fußes gehen.
  • Yashasvini geht vom linken Ohr ebenfalls zum großen Zeh des rechten Fußes.
  • Alambusha soll am Anus entspringen und bis zum Mund laufen.
  • Kuhu soll vom Hals bis zu den Genitalien verlaufen.
  • Shankhini soll im Hals entspringen und im Anus enden.
  • Saraswati soll in der Zunge entspringen und zu den Stimmbändern laufen.
  • Payaswani soll vom rechten Ohrläppchen aus mit den Hirnnerven verbunden sein.
  • Varuni entspringt zwischen Hals und linkem Ohr und läuft bis zum Anus.
  • Vishwodari hat seinen Ursprung im Nabelzentrum und wird häufig mit dem „Chi” verglichen.

Nadis - Energiekanäle des Lebens


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Die drei Haupt-Nadis: Sushumna, Ida und Pingala

Nadis - Energiekanäle des Lebens

Sushumna gilt als zentraler Haupt-Nadi und verläuft vom Beckenboden – auch Kanda genannt – durch den Spinalkanal unserer Wirbelsäule bis zum Schädeldach (zu dem Bereich zwischen linker und rechter Hemisphäre).

Während Ida das weibliche Prinzip verkörpert, ebenfalls im Beckenboden entspringt und über die linke Körperseite bis zur linken Seite der Nase läuft und für den Mond, das Kühle, Kreativität, Ruhe, Entspannung und Regeneration steht, gilt Pingala als das männliche Prinzip, mit Ursprung ebenfalls im Kanda, das über die rechte Körperhälfte bis zur rechten Nasenöffnung läuft und für die Sonne, Wärme, Aktivität, rationales Denken steht.

Die Qualitäten von Ida und Pingala

Die Dominanz der Nasenlöcher wechselt in regelmäßigen Abständen, man sagt alle ein bis zwei Stunden. Das Nasenloch, durch das besser geatmet werden kann, gilt als das aktivere. Ist zum Beispiel das rechte Nasenloch freier, so ist Pingala aktiver. Alle Aktivitäten, die mit diesen Qualitäten einhergehen, sollen nun leichter fallen. Zum Beispiel soll man jetzt besser rational denken, besser überzeugen können oder auch Mahlzeiten besser verwerten können. Ist hingegen das linke Nasenloch – Ida Nadi – offener, sollen künstlerische Aktivitäten und intuitives Handeln leichter fallen. Sind beide Nasenlöcher etwa gleich geöffnet, soll die innere Einkehr/Meditation gut möglich sein.

Beachte bitte, dass die Dominanz eines Nasenlochs natürlich auch davon abhängen kann, ob die Nase zum Beispiel aufgrund eines Infektes oder einer schiefen Nasenscheidewand blockiert ist.

Kann ich die Aktivität von Ida und Pingala beeinflussen?

Das Wissen um die Dominanz des jeweiligen Nasenlochs kannst du dir zunutze machen. Eine einfache Möglichkeit, auf die Aktivität deiner Nasenlöcher Einfluss zu nehmen, ist folgende: Du kannst dich zum Beispiel auf die linke Seite legen, wenn du möchtest, dass sich dein rechtes Nasenloch öffnet – oder umgekehrt. Möchtest du zur Ruhe kommen oder hast du ein Gespräch vor dir, bei dem Einfühlungsvermögen gefragt, ist lege dich auf die rechte Seite, sodass dein linkes Nasenloch, Ida Nadi, aktiv wird. Möchtest du hingegen aktiv werden und zum Beispiel mit Freunden ausgehen, lege dich auf die linke Körperhälfte, damit sich dein rechtes Nasenloch öffnet und Pingala aktiv wird.

Um beide Qualitäten, Ida und Pingala, in Balance zu bringen, den Geist zu beruhigen und zu klären und die Konzentration zu fördern, kannst du auch die yogische Wechselatmung heißt auf Sanskrit Nadi Shodhana, wenn die Luft angehalten wird bzw. Anuloma Viloma, wenn die Luft nicht angehalten wird) praktizieren:

  • Lege dafür die linke Hand auf dein Bein (z. B. in Gyan Mudra).
  • Bringe Zeige- und Mittelfinger deiner rechten Hand auf den Bereich des Dritten Auges oder beuge Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand und spreize Daumen und kleinen Finger ab.
  • Schließe das rechte Nasenloch mit dem rechten Daumen.
  • Atme durch das linke Nasenloch ein – zähle dabei bis vier oder später bis acht (steigere langsam). Dadurch aktivierst du Ida.
  • Öffne das rechte Nasenloch und verschließe das linke mit dem Ringfinger.
  • Atme rechts aus – zähle auch hier bis vier oder später acht (steigere langsam).
  • Atme anschließend direkt auf der rechten Seite wieder ein – zähle dabei bis vier oder später bis acht (steigere langsam). Dadurch aktivierst du Pingala.
  • Öffne das linke Nasenloch und verschließe das rechte mit dem Ringfinger.
  • Atme links aus – zähle auch hier bis vier oder später acht (steigere langsam).
  • Achte darauf, dass die Ein- und Ausatemzüge gleich lang sind.

Übe diese Atemtechnik zunächst, ohne den Atem willentlich anzuhalten (Kumbhaka). Baue solche Atemverhalte erst dann ein, wenn du die Atemtechnik ohne Atemverhalte gut beherrschst. Wenn du sie dann einbauen möchtest, haben sich folgende Verhältnisse bewährt: Einatmen – Anhalten – Ausatmen: 2:2:2 oder 4:4:8. Du kannst bis auf 4:16:8 steigern.

Hier erklärt dir Anna Trökes im Video die Wechselatmung:

YogaEasy-Video abspielen

Granthi – oder: Was die Energie am Fließen hindert

Der Energiefluss durch die Nadis und durch unsere Energiezentren, die Chakren, kann auch behindert sein. Bei einer Energieblockade ist dann von Granthi (Sanskrit: Knoten, Verhärtung...) die Rede. Je nach Lokalisation der Energieblockade spricht man von folgenden Granthis:

Brahma Granthi, der im Bereich des Mulhadara Chakras liegen soll und mit Themen wie Erdung, Sicherheit und Verbundenheit zum Leben einhergeht. Ein Mangel hier oder ein zu starker Fokus auf diese Themen können Zeichen einer Blockade sein.

Vishnu Granthi soll in Verbindung mit dem Herz-Chakra stehen. Hier soll der Energiefluss vom Solarplexus-Chakra zum Herzen beeinträchtigt sein. Themen mit Bezug zum Herz-Chakra wie Liebe, Mitgefühl, Selbstfürsorge und Hingabe stehen im Fokus. Ein zu starkes Ego oder die Unfähigkeit der universellen Liebe können auf eine Blockade hinweisen.

Rudra Granthi stellt eine Blockaden im Bereich des Ajna Chakras (zwischen den Augenbrauen) dar und soll den Energiefluss zu den höheren Chakren verhindern. „Verknotete”, festgefahrene Gedanken und ein zu starker Fokus auf unseren Intellekt können eine Form von Blockade darstellen.

Die Ursachen für Energieblockaden können unterschiedlich sein. Da Energie in ganz unterschiedlichen Formen auftreten kann, z. B. als Nahrung, Luft, Licht, Klang oder Farbe, können wir durch ebendiese sowohl positiv als auch negativ beeinflusst werden. So können sich zum Beispiel eine falsche Ernährung, dauerhafter Stress, aber auch negative Glaubensmuster und eine negative Sprache sowie traumatische Erfahrungen auf unseren Energiefluss auswirken, der sich körperlich oder geistig bemerkbar machen kann. Umgekehrt können wir dieses Wissen nutzen, um Blockaden zu beseitigen. Allgemein gesagt können wir mit einer gesunden Ernährung, gezielten Atemübungen, Singen von Mantras, einer angepassten Asana-Praxis, Reinigungstechniken/Kriyas, positiven Glaubenssätzen etc. dazu beitragen, Energieblockaden aufzulösen. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, sich genauer mit den Chakren und ihren Themen zu beschäftigen, wenn du tiefer gehen möchtest.


Lesetipp: Mehr über die Nadis kannst du in Maya Tiwaris Klassiker „Ayurveda: Secrets of Healing” erfahren.

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