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Muss ich mich aufwärmen vor Yoga?
Bildquelle: Shutterstock.com

Muss ich mich aufwärmen vor Yoga?

Von Kristin Rübesamen

Fußballer tänzeln in lustigen Trippelschritten über den Rasen, Ballettänzer beugen sich ächzend über ihre Beine, Popstars trinken neuerdings grünen Tee, bevor sie auf die Bühne gehen. Alle wärmen sich auf, denn alle wissen: Diese Vorsichtsmaßnahme ist gut für die Muskeln und beugt Zerrungen vor. Sie ist auch gut für den Geist, der dann weiß: Hurra, gleich geht’s los.

Wir Yogis brauchen uns nicht aufzuwärmen. Stop, das ist nicht richtig. Wir wärmen uns schon auf, tun eigentlich nichts anderes. Oder anders gesagt, wir brauchen uns nur deshalb nicht aufzuwärmen, weil unsere gesamte Praxis nichts anderes ist, als ein einziger langer Aufwärmprozeß. Wir hören gewissermassen nie auf mit dem Aufwärmen.

Natürlich gibt es in jeder Sequenz Haltungen, die wir eher am Anfang als in der Mitte der Praxis üben. Wir fangen nicht an mit Hanumasana (dem Spagat) oder Urdhva Dhanurasana (dem Rad), wir fangen an mit Pranayama oder Meditation, mit Katze/Kuh oder sanfter Kindeshaltung. Wir beginnnen nicht mit tiefen Rück-, oder Vorbeugen oder intensiven Hüftöffnungen.


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Aber schon im halben Sonnengruß mit tief gebeugten Beinen steckt eine Menge von dem, was wir immer wieder machen: wir dehnen Vorder- und Rückseite des Körpers, mobilisieren die Wirbelsäule, synchronisieren Atmung und Bewegung. Bis zur letzten Sekunde unserer Praxis versorgen wir Körper und Geist mit bewußter, heilender Atmung und bringen immerhin unsere kleine Welt wieder ins Gleichgewicht.

Wie sich Yogis aufwärmen? Nicht mit Red Bull

Indirekt wärmen wir uns auch auf. Denn so wie für Fußballer die Aufwärmpraxis ein Ritual darstellt, mit dem sie Körper und Geist vorbereiten, so haben wir auch Rituale für unsere Praxis. Einige fangen schon Stunden vorher an. Wer weiß, dass er zum Yoga geht oder Yoga zu Hause üben wird, wird mindestens zwei Stunden vorher nichts essen. Zuhause achten wir darauf, dass der Platz, an dem wir üben, klar und sauber ist, dass wir ihn ein bisschen abschirmen vom Chaos unseres Lebens. Doch der eigentliche Moment des Aufwärmens beginnt, wenn wir unsere Matte ausrollen. Das ist so, wie wenn sich Jimi Hendrix die Gitarre umhängt. Dann beginnen wir bewußt zu atmen. Genau wie Jimi Hendrix seine Gitarre stimmt, stimmen auch wir unsere Instrumente. Wir atmen, wir hören nach innen, wir beginnen zu schweben.

Rituale zählen für eine gute Yoga Praxis

Flexibel heißt in unserer Welt, der Yogawelt, eine Balance zu finden, zwischen Stabilität und Disziplin (stiram) auf der einen Seite und Leichtigkeit und Freude (sukham). Ein Bein zu heben, es lang zu ziehen, geht nur, wenn die Mitte stark ist. Sich zur Seite zu beugen, geht nur, wenn die Mittelachse nicht korrupt ist. Das alles, zu lernen, sich immer wieder selbst aufzurichten, ist keine Kleinigkeit.

Aufwärmen im Yoga heißt Respekt

Deshalb bedeutet Aufwärmen im Yoga Respekt vor der Praxis: Kommt nicht zu spät, rollt die Matte mit Liebe und Bedacht aus, legt sie gerade hin, übt nicht mit vollem Bauch, laßt euer Handy aus und putzt euch die Zähne vor der Praxis. Das alles macht einen riesigen Unterschied.

Stellt euch eine Einladung vor, in der ihr erst das schmutzige Geschirr abwaschen und den Müll wegbringen müsst. Na, eben.

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