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Lilith – die befreite Weiblichkeit
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Lilith – die befreite Weiblichkeit

Von Daniela Hutter

Facebook, Instagram, Newsletter… auf allen Kanälen erreichen mich täglich Aufforderungen und Informationen, die mich „in meine weibliche Kraft bringen“, die mir „mein Frausein öffnen” wollen. Und an manchen Tagen sitze ich mit großen Augen davor und frage mich: Ja, habe ich es denn wirklich nötig, es (erst) zu lernen Frau zu sein? Was passiert(e) denn mit uns Frauen, dass wir meinen, dieses Wissen erst „erwachen“ lassen zu müssen?

Zum Zeitpunkt ihrer Geburt ist jede Frau einmalig und vollkommen. Alles, was sie ausmacht, liegt in ihr. Ihr ganzes Wesen ist in ihr bereit, sich über das Leben zu entfalten und zu erblühen – wie eine Rose, die von Anfang an, von ihrem Ursprung als Samen, darum weiß: „Ich bin eine Rose. Königin der Blumen, und ich werde in all meiner Schönheit blühen, zur Freude aller, die mich sehen werden.” So wäre es in der Natur der Frau ebenso hinterlegt, angelegt, dass sie selbstbestimmt und frei, ihrer inneren Natur gemäß, ihren Visionen folgt, ihre inneren Ziele und ihre Träume verwirklicht. Und warum ist es dann oft doch anders? Was bewegt Frauen in einer Weise, dass sie sich davon abbringen lassen, sich daran nicht mehr erinnern?

Die Frau in der Historie: Auf der Suche nach einem starken Krieger?

Meine Erfahrung, mein Lernen und meine Recherche haben mir dazu viele Antworten gereicht: Allem voran ist es die Historie des weiblichen Prinzips selbst. Die Geschichte, die uns Menschen von Anfang an begleitet. So brauchte es zu Anbeginn den mutigsten und stärksten Kämpfer, der auf die Jagd ging, der bereit war zu kämpfen und zu verteidigen und das Überleben des Individuums, der Frau, der Gemeinschaft sicherte. Diese Tatsache wirkt als Prägung noch immer in uns Menschen und erklärt als Update hinein in die neue Zeit, warum Frauen oft nach dem „stärksten Krieger“ suchen, von ihm geliebt werden wollen – und sich nicht  an sich und ihre eigene Kraft erinnern, meinen „nicht überleben zu können“, stattdessen im Außen suchen. Heute zeichnen den stärksten Krieger anstatt Muskelkraft oft ein guter Job, ein schnelles Auto oder andere Statussymbole aus. Unbewusst ist es (oft auch) das, was Frauen anzieht – und wofür sie bereit sind, sich anzupassen, entsprechende Rollenmuster einzunehmen... um Aufmerksamkeit zu bekommen und geliebt zu werden. Indem sie sich anpassen, (unbewussten) Überzeugungen folgen, geben sie aber auch ihre weibliche Eigenmacht ab und ihre eigene Schöpfer- und Tatkraft ebenso.


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Historie kann auch auf einer zellulären Ebene nachwirken – wie die Erfahrungen aus jenen Zeiten, als das weibliche Prinzip nicht nur keine Wertschätzung erfahren hat, sondern auch bewusst abgewertet und klein gehalten wurde. Das Mittelalter und die Unternehmungen der Kirche hinterließen ihre Spuren. So kam es dazu, dass es noch in der Generation unserer Großmütter üblich war, dass Frauen für so vieles, das heute selbstverständlich ist, die „Erlaubnis” des Ehemanns benötigten, etwa wenn sie berufstätig sein wollten.

Rückbesinnung auf die weibliche Kraft

Das weibliche Prinzip wurde in der Vergangenheit bewusst abgewertet. Anders formuliert: Das männliche Prinzip erhält mehr Wertschätzung. Und die heutige Gesellschaft richtet sich noch immer nach diesen Werten aus: Leistung (Yang) vor allem anderen. Daran orientieren sich Erziehung, Schulsystem, Wirtschaft – und folgen dem Prinzip von „schneller – weiter – höher“  in rasanter Geschwindigkeit, ergänzt von Technisierung, Industrialisierung, Digitalisierung, Optimierung allerorts. Dies drängt „die weiblichen Werte” noch immer zurück. Auswirkungen dazu sind ersichtlich in der Erschöpfung von Mensch, Natur, Ressourcen. Dennoch: Es ist der Zeitgeist als eine übergeordnete Ordnung, der die Menschen „erinnern” und bewegen will.

So erkläre ich es, dass Frauen diesen inneren Antrieb nach ihrer weiblichen Kraft fühlen, das Bedürfnis nach einer neuen Balance hin zu einem neuen Miteinander von weiblich & männlich wahrnehmen, hin zu einem neuen Wir. Dieser innere Antrieb ist die erwachende weibliche Kraft – als ob es die Natur des Menschen selbst wäre, die danach sucht.

Aber was bedeutet es, „sich der weiblichen Kraft zu öffnen”? Wenn wir eine Kraft „wecken“, ihr Raum geben – dann will diese Kraft wirken, sich ins Leben hinein entfalten. Dafür gilt es, sich an die „aufgegebenen Träume“, an die verdrängten Wünsche, an die sich nicht erlaubten Möglichkeiten zu erinnern – und mit dem Erinnern auch an all das, was wir als Frauen an Talenten und Gaben dazu erhalten haben. Es gilt, all dies (endlich wieder) zu leben. Es gilt, dass wir uns an unsere (innere) Freiheit erinnern, unser Potenzial entfalten, es gilt, dass wir als „Kaiserinnen” unser Reich definieren und es einnehmen und leben, damit wir als „Lilith“ unser Paradies wieder erobern.

Lilith (John Collier painting)

Lilith von John Collier

Denn: Frauen sind „Kriegerinnen der Liebe“. Sie wählen den Weg der Liebe und ihrer Natur folgend ist es natürlich, dass Frauen einander unterstützen, ermutigen und ermächtigen. So war es  in alten Zeiten schon, so kann man es auch bei den Naturvölkern beobachten. Das Miteinander liegt in der Natur der Frau. Im modernen Sprachgebrauch formulieren wir dazu „Sisterhood”.

Zeitgeist und Mainstream – wer ist „Lilith“?

Zunächst begegnet uns ihr Name in der jüdischen Mythologie als erste Frau Adams. Wir lesen von ihr als jener Frau, die das Paradies verlassen hat, da sie sich dem Mann nicht unterordnen, sondern gleichberechtigt sein wollte. Beschrieben wird, dass Lilith beim Sex nicht „unter” dem Mann liegen wollte. Sie verließ Adam und hat ihr Exil freiwillig gewählt. Lilith steht also für die selbstbestimmte Frau, für Gleichberechtigung und Unabhängigkeit.

In meinem Verständnis wollen sich diese alten Bilder in eine neue, zeitgemäße Qualität übersetzt sehen. Es geht nicht darum, ob Adam, die Bibel, die Kirche, der Mann die Frau unterdrücken, weswegen die Frau das Exil wählte – mir erschließt sich die Geschichte in jeder einzelnen Frau, ich erkenne in Lilith die Geschichte jeder einzelnen Frau, allen voran meine Geschichte, auch deine Geschichte und ihre Geschichte(n)...

Lilith steht für die Befreiung der Frau und des weiblichen Anteils in unserer Seele. Denn sie verkörpert die weibliche Urenergie, jene, die tief in unserer Seele ver- bzw. geborgen liegt. Ihre Entsprechung in Babylon ist die Göttin Tiamat. Sie kennt man als halb Frau, halb Schlange. Tiamat ist die Mutter vieler Götter, ihr Element ist das Wasser. Das Wort Tiamat hat mit dem Wort tamtu = „Ozean, Tiefe” zu tun und hat den gleichen etymologischen Ursprung wie das hebräische Wort tehom, das „Tiefe, Abgrund” bedeutet.

An dieser Stelle begegnen wir den Qualitäten des Yin: Dunkelheit und Tiefe sowie die Sehnsucht, beides zu ergründen. Lilith scheint uns geradezu aufzufordern: „Sei bereit, dir all das anzuschauen, was dich zurückhält, was dich im Schein verweilen lässt.” Lilith will deine Freiheit von Begrenzung, sie fordert auf, das Wilde zu leben, all deine Kraft einzusetzen, um deinem Herzen zu folgen.

British Museum Queen of the Night

Burney Relief – British Museum

Die Rückkehr zu deinem wahren Selbst

Die Energie von Lilith fordert uns auf, uns auf das Leben einzulassen – das bedeutet, sich (endlich) für das Leben zu öffnen, die Rückkehr zum wahren Selbst zu wählen – so wie es Lilith tut, indem sie nach fast 3000 Jahren in das Bewusstsein der Menschen zurückkehrt. Lilith bringt uns in Kontakt mit unserer Innenwelt, mit unserem inneren Wesen. Sie lehrt uns einerseits, uns für das Leben zu öffnen und zeigt auf, wann und wo wir welche Tore zum Leben hin verschließen. Und sie fordert uns auf, uns das Vertrauen selbst zu offenbaren, um uns dem Leben selbst hinzugeben.

„Eine Frau, die wachsen und sich psychisch entwickeln will, muss die Lilith-Qualitäten Freiheit, Bewegung und Instinktivität für sich integrieren.”

Barbara Black Koltuv

Lilith verkörpert also nicht nur die Weisheit der ungezähmten Frau, sondern zeigt auch den Weg zu einer neuen Lebenslust, und sie fordert uns dazu geradezu heraus. Wenn du mit der Energie der Lilith in innere Resonanz gehst, dann erreicht dich damit auch der Auftrag, dich mit deiner ursprünglichen Kraft zu verbinden. Das bedeutet, Begrenzungen zu durchschauen, die dich scheinbar zurückhalten – denn Lilith will dich aufwecken und dich auffordern, deine innere Natur (endlich) zu leben.  

Der Weg des Yin offenbart sich einmal mehr an dieser Stelle, als Ruf. Denn genau wie Lilith lässt sich auch das Yin nicht planen oder wählen – es erscheint in einem Moment, ist einfach da und fordert Hingabe ein, Hingabe ans Yin, ans Leben – an DICH, und damit ruft sie auch nach dem Vertrauen an dich und dein Leben, deine Kräfte. Und deine Kräfte wollen befreit werden – darum geht es im Yin. Um die Quellen zu wissen und die Fähigkeit zu entwickeln, die eigene Kraft ins Leben zu bündeln, hin zu den ungelebten Träumen und Werten – für dein Me(e)hr vom Leben.

„Lilith ist eine Erscheinungsform der großen Göttin, die viele Namen trägt und viele Aspekte mühelos in sich vereinigt. Ihre Kraft liegt jenseits einer Dualität und ist mehr wie das Leben selbst: schön und hässlich, grausam und zärtlich, dunkel und hell zugleich.”

Kocku von Stuckrad

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