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Yoga: Sportart, Religion – oder Lifestyle-Trend?
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Yoga: Sportart, Religion – oder Lifestyle-Trend?

Von Saskia Schmitz-Tietgen

„Abnehmen mit Yoga”, „Mit Yoga zur Bikini-Figur”, „Knack-Po dank Yoga” – Yoga ist längst aus der esoterischen Nische hervorgetreten und etwas für den modernen Alltag geworden. Keine Frauenzeitschrift kommt inzwischen ohne Yoga-Special aus. Und auch du liebäugelst damit, dir Yoga vielleicht einmal etwas genauer anzuschauen – immerhin liest du überall, dass Yoga nicht nur den Traumbody bescheren kann, sondern auch noch glücklich, zufrieden, leistungsfähig und entspannt machen soll?! Dabei fragst du dich manchmal, was Yoga eigentlich von Gymnastik unterscheidet – immerhin erinnern dich die Yoga-Übungen aus den Zeitschriften häufig an das Bauch-Beine-Po-Programm deines Fitness-Studios. Was ist Yoga denn nun genau? Religiöse Praktik oder Bodenturnen für Hipster?

Im Grunde kann Yoga, so wie es heute gesehen wird, (fast) alles sein. Körperertüchtigungen, die zu mehr Kraft und Flexibilität verhelfen sollen und in ihren Ausführungen an Übungen aus dem Schulunterricht erinnern können (siehe Schulterstand und Kerze...) oder ein Weg, um zur Ruhe zu kommen. Yoga bietet darüber hinaus aber auch die Möglichkeit, seine Spiritualität zu entdecken und zu leben.


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Facetten des Yoga

Dafür schaut man sich am besten einmal kurz die Geschichte des Yoga an: Seine Wurzeln hat Yoga in Indien, genau genommen in den Veden – „einer Sammlung von geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und religiösen Texten”. Nicht verwunderlich also, dass in (Hatha-)Yogastunden möglicherweise über indische Götter gesprochen wird (Hinduismus), Mantras auf Sanskrit (salopp gesagt: die Sprache der Veden) gesungen werden, aber auch buddhistisches Gedankengut mit einfließt - der Buddhismus hat sich nämlich aus dem Hinduismus entwickelt. 

In einer Kundalini-Yogastunde wirst du hingegen vermutlich philosophische Einflüsse aus dem Sikhismus entdecken, Mantren in Gurmukhi singen und auf weiß gekleidete Yogis mit Turban treffen. Kein Wunder, denn Yogi Bhajan, der diese Version von Yoga Ende der 60er-Jahre in den Westen brachte, gehörte eben dem Sikhismus an und ließ entsprechende Elemente einfließen.

Im Gegensatz dazu wird zum Beispiel in einer Power-Yoga-Klasse Spiritualität eher kleingeschrieben: Die meisten Power-Yoga-Lehrer verwenden keine Sanskrit-Begriffe, es werden kaum Atem-Übungen (Pranayama) unterrichtet und auch Meditation, Mantras und philosophische Ausführungen sucht man hier meist vergeblich.

Traditionell oder modern – Yoga kann/ist beides

Wie du an diesen Beispielen siehst: Das Angebot an Yoga-Varianten ist so bunt und vielfältig wie die Menschen selbst. Sie reichen von traditionellen Stilen mit philosophischen Einflüssen bis zu modernen, fitnessorientierten Ausrichtungen ohne großen spirituellen Anteil. Und das ist gut so. Denn jede/n interessiert wahrscheinlich etwas anderes an Yoga. So wird sich möglicherweise jemand, der sich gar nicht für Spiritualität interessiert und einfach nur etwas gegen seine Rückenschmerzen tun möchte, von einer körperorientierten Yogastunde (zunächst) stärker angesprochen fühlen als von einer mit deutlichem spirituellem Bezug. Vielleicht fühlt sich diese Person (im ersten Schritt) eher von den zahlreichen inzwischen entstandenen wissenschaftlichen Studien rund um Yoga angesprochen als von der Rezitation traditioneller Schriften.  

Immerhin widmen sich immer mehr Wissenschaftler dem Forschungsfeld „Yoga” und werden die Wirkungen der Körperübungen (Asanas), des Gesangs (von Mantras aber auch Singen generell), der Meditation oder Gebete und der Atemübungen (Pranayama) auf wissenschaftlicher Ebene untersucht. So zeigen Untersuchungen zum Beispiel, dass regelmäßiges Üben von Yoga-Asanas „Gesundheit und Fitness von Rheumatikern und Arthrotikern” verbessern kann oder dass regelmäßige Meditation bei Angststörungen und leichten depressive Verstimmungen helfen kann. Dies sind nur zwei kleine Beispiele, denn der Forschungsbereich ist groß und wird immer größer.

Ist Yoga eine Religion?

„Muss ich Hindu sein, um ein Yogi zu sein?” – die Frage, ob Yoga aufgrund seines kulturellen Ursprungs eine Form von Religion sei, taucht neben der Fitness-Frage ebenfalls immer wieder auf. Der spirituelle Lehrer Osho hat zu diesem Thema folgendes gesagt:

„Techniken entstehen im Kopf, und religiöse Techniken entstehen ebenfalls im Kopf – Yoga, Mantra, Yantra. Yoga bedient sich verschiedener Körperstellungen, die dir helfen, tief in dich zu gehen, sie sind im Kopf entstanden. Es sind religiöse Techniken. Aus diesem Grund gehört Yoga keiner bestimmten Religion an. Es gibt christliches Yoga, es gibt hinduistisches Yoga und natürlich buddhistisches Yoga, Jaina Yoga – es gibt so viele Yogatechniken, wie es Religionen gibt. Yoga ist einfach eine Technik. Keine Maschine ist ‚hinduistisch‘, keine Maschine ist ‚islamisch‘. Du gehst nicht in einen Laden, um ein islamisches oder ein hinduistisches Auto zu kaufen. Maschinen sind einfach Maschinen. Yoga ist eine Technik. Ein Mantra ist eine Technik, es ist im Kopf entstanden. Tatsächlich hat das Wort Mantra dieselben Wurzeln wie das Wort Verstand – beide stammen vom Wort ‚Mensch‘ im Sanskrit ab. Ein Teil wurde zu Verstand, der andere Teil wurde zu Mantra – beides sind Inhalte des Verstandes.”

Osho, Philosophia Perennis, Vol.1, Talk #9

Ein religiöser Mensch, egal, welcher Religion er auch angehören mag, kann genauso Yoga praktizieren wie ein nicht-religiöser Mensch. Durch die innere Einkehr, das „Zur-Ruhe-Kommen der umher wirbelnden Gedanken”, wie Yoga von Patanjali bezeichnet wurde, und die Beschäftigung mit sich und den Fragen des Lebens, kommt der eine möglicherweise mit Religion oder Religiosität erstmalig in Kontakt, oder sieht sich in seinem Religionsbegriff bestätigt und entdeckt ihn wieder, während ein anderer niemals von diesem Aspekt angesprochen wird. Egal, was Yoga für den Einzelnen auch bedeuten mag – es ist vollkommen in Ordnung und hat seinen Platz.

Tipp: Wenn du noch gar nicht so genau weißt, welcher Yogastil deiner ist – probiere dich aus. Schau dir verschiedene Stile und Lehrer an und prüfe, wo du dich wohl fühlst, wer eine Sprache spricht, die dir in dem Moment zusagt und die dich inspiriert. Lass dich nicht davon irritieren, wenn jemand anderes von einem Lehrer total begeistert ist, aber du nichts mit dem, was er sagt, anfangen kannst. Nicht jede Art sagt einem zu. Das muss nicht heißen, dass der Lehrer „schlecht” ist und schon gar nicht, dass du nicht „genug” Yogi oder „noch nicht so weit” bist! Stelle Fragen, wenn dir etwas unklar ist – ein patenter Lehrer wird versuchen, dir weiterzuhelfen. Selbst wenn er deine Frage nicht beantworten kann, wird er dich nicht mit leeren esoterischen Worthülsen allein lassen, sondern dir vielmehr Tipps geben, an wen du dich wenden kannst oder wo du Hilfe finden könntest.

Fazit

Ob „Bier-Yoga” oder „Yoga mit Ziegen” (ja, das gibt es tatsächlich beides!) noch Yoga ist, ob bei lauter Popmusik Yoga überhaupt praktiziert werden kann oder Yoga bei Temperaturen um die 40 Grad oder im Dunkeln widernatürlich ist – zu alldem gibt es zahlreiche Meinungen, Pro und Contra. Was für die einen inspirierend-modern ist, ist für die anderen überflüssiger Marketing-Quatsch und damit absolutes No-Go. Eines zumindest kann man sagen: Diese Yoga-Facetten bieten möglicherweise den Menschen einen Einstieg in die Welt des Yoga, die sich sonst niemals im Leben damit beschäftigt hätten.

„Yoga ist die Reise des Selbst durch sich selbst, zu sich selbst.”

Bhagavad Gita

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