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Alles über Karma: Von Wiedergeburt bis Erleuchtung
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Alles über Karma: Von Wiedergeburt bis Erleuchtung

Von Katharina Goßmann

Weißt du, wer oder was du vor drei Leben warst? Und noch viel interessanter: wie anständig du dich damals benommen hast? Falls nicht: Keine Panik. Wir erklären dir, warum Karma zwar ein kompliziertes philosophisches Konzept ist, es aber gar nicht so schwer ist, ins Karma-Plus zu kommen. 

Was bedeutet Karma?

„Karma“ ist ein Sanskrit-Begriff und meint erst mal nur eine (physische oder geistige) „Handlung” oder „Tat”. Sprich: Jede Handlung ist mit Karma verknüpft. Das hört sich zunächst harmlos an. Wenn ich also aufpasse, dass ich nichts richtig Gemeines mache, dann erschaffe ich kein schlechtes Karma, oder? 

Leider nein. Denn jedes Gefühl in uns, jeder Gedanke beeinflussen – mal früher, mal später, mal mehr, mal weniger, mal bewusster, mal unbewusster – unsere Handlungen. Und so verursacht jede kleinste innere Regung Karma:

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheit.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.”

Unbekannter Verfasser

In den alt-indischen vedischen Schriften steht auch, dass Karma die Summe unserer Handlungen ist – sowohl im Hier und Jetzt, als auch in „früheren Leben“. Es kann also sein, dass die schlechten Taten unserer vorvorletzten Reinkarnation uns dieses Leben gründlich versauen. Denn wer schlechtes Karma angesammelt hat, dem wird – so sagen es die indischen Religionen Buddhismus, Jainismus und Teilströmungen des Hinduismus – das Leben immer wieder Steine in die Bahn werfen. Denn so kann das schlechte Karma wieder abgebaut werden. 

Ein schlimmes Schicksal als Strafe?

Ein populäres Missverständnis rund um Karma ist, dass Menschen mit einem schlimmen Schicksal dafür bestraft werden, dass sie in einem vergangenen Leben schlechte Taten vollbracht haben. Und dass diejenigen, denen es materiell und auch sonst gut geht, wohl einfach in früheren Leben große Wohltäter waren. Verkürzt gesagt, legimitimiert diese falsche Auslegung von Karma etwa das zutiefst verwerfliche Kastensystem in Indien.

Ganz anders im Yoga: Wenn hier jemand einen harten Schicksalsschlag erleidet, so ist das in gewisser Weise eine Auszeichnung. Denn wer sein schweres Schicksal erträgt, kann ungleich mehr schlechtes Karma abbauen als jemand, der gemütlich zu Hause auf der weichen Couch sitzt und sich des Lebens freut. Und kommt so viel schneller voran auf dem Weg zur Erleuchtung. Diese Art von Denken mag dem einen zynisch vorkommen – einen anderen aber aus tiefster Verzweiflung retten und so schier unerträglichem Leiden einen Sinn geben.

Das Karma, die Wiedergeburt und Samsara

Das Ziel aller Karma-Gläubigen ist also kein neues Karma zu produzieren und alle Altlasten abzubauen. Denn wenn deine Taten Karma anhäufen (gut oder schlecht, das ist erst mal egal), dann bedeutet das, dass du immer noch Teil des immerwährenden Kreislaufs bist, der deine Seele wieder und wieder auf die Erde schickt – immer wieder in neuer Gestalt, mit einem neuen Schicksal. Diesen ewigen Kreislauf der Reinkarnation nennt man auch Samsara. 

Vor allem die Buddhisten, für die alles menschliche Leben Leid ist, wollen so schnell wie möglich aus Samsara aussteigen. Denn wer das schafft, der beendet nicht nur sein irdisches Leiden, sondern geht auch ins Nirvana ein, wir Yogis würden sagen: wird erleuchtet (Samadhi). Der Grund, warum die Buddhisten die menschliche Existenz als leidvoll erleben, ist, dass wir Menschen uns an Irdisches binden – und das ist eben vergänglich. Jeder geliebte Mensch stirbt irgendwann, jede äußere Schönheit vergeht, jeder Besitz kann verloren gehen. Das ist auch der Grund, warum die Buddhisten mithilfe von Meditation und anderen spirituellen Praktiken versuchen, sich von ihrer Bindung an das Irdische zu lösen. Denn wer seine Gedanken durch große innere Disziplin nur noch auf höhere Werte ausrichtet, so seine Bindung an das Irdische nach und nach löst, produziert irgendwann kein neues Karma mehr und baut durch seine spirituelle Praxis auch alle Altlasten ab – und schafft so (auch ohne großen Schicksalsschlag) den Ausstieg aus Samsara und dem ewigen Karma-Kreislauf.


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Die drei Arten von Karma

Du findest das alles ziemlich verwirrend – gutes, schlechtes, altes, neues Karma? Vielleicht hilft diese Auflistung der drei offiziellen Arten von Karma:

1. Agami Karma 

Agami Karma ist das Karma, das du jetzt gerade erschaffst, gut oder schlecht, und dessen Wirkung du in einem deiner nächsten Leben erfahren wirst. 

2. Prarabdha Karma

Prarabdha Karma wird oft übersetzt mit Schicksal, also das Agami Karma aus vergangenen Leben, das sich deinem aktuellen Leben manifestiert. Es meint aber auch Unternehmungen, die du begonnen hast und wahrscheinlich auch abschließen wirst. Laut den Yoga-Schriften ist Prarabdha Karma nur eingeschränkt beeinflussbar. Dieses Karma wird heiß diskutiert, vor allem in Hinblick auf Konzepte wie den freien Willen und Vorbestimmung.

3. Sanchita Karma

Sanchita Karma ist eine Art Karma-Speicher, der alles Karma enthält, das du angesammelt hast – dessen Wirkung du aber noch nicht erfahren hast. Hier verstecken sich alle Lektionen des Lebens, die in diesem und einem deiner nächsten Leben noch auf dich zukommen.

Karma: Sei nett und meditiere!

Wie aber können wir nun zum einen kein neues Karma produzieren und gleichzeitig unser angehäuftes Karma abbauen? Schließlich meditieren die wenigsten von uns den ganzen Tag und würden lieber auf ein schreckliches Schicksal verzichten...

Eigentlich ist es egal, ob du an Karma glaubst oder nicht – denn der einfachste und beste Weg, schlechtes Karma zu vermeiden oder abzubauen und gutes Karma aufzubauen, ist auch der einfachste und beste Weg zu einem guten Leben: 

  • Mach das Beste aus dem, was dir gegeben wurde und wird – sowohl hinsichtlich deiner Anlangen und Ressourcen, den Ereignissen in deinem Leben und den Umständen in der Welt um dich.
  • Übernimm die volle Verantwortung für alle deine Handlungen, auf allen Ebenen, zu allen Zeiten.
  • Und, am allerwichtigsten: Versuche dabei so liebevoll und rücksichtsvoll gegenüber allen Wesen dieser Welt und der Natur zu sein, wie du nur irgendwie schaffst.

Aber wie schafft man das? Tja, da schließt sich der Kreis: Denn die unbestritten und bewiesenermaßen beste Methode, um den Geist so zu kontrollieren, so dass der auch unter ungünstigen Bedingungen ruhig und klar bleibt ist – tadadadaaaa – die Meditation. Denn eigentlich geht es beim Meditieren nur darum: den Geist an die Kandarre zu nehmen und sich nicht von ihm rumzerren zu lassen wie von einem sehr starken, schlecht erzogenen Riesenwelpen. Und das lernst du auch, wenn du regelmäßig 10 Minuten am Tag meditierst. 

Und keine Angst: Du musst dich nicht schlecht fühlen, weil du keine Mutter Teresa bist. Versuch einfach, jeden Tag ein bisschen netter zu sein: Hebe hier mal jemandem die heruntergefallenen Einkäufe auf, lasse dort jemandem lächelnd den Vortritt oder mache jemandem mit schlechter Laune ein kleines Kompliment. Vergib jemandem, der nicht so nett zu dir war, sei nachsichtig und verständnisvoll gegenüber denen, die sich gerade ein bisschen blöd benehmen. Und sei dankbar für jedes kleine Fitzelchen Glück, Licht, Liebe, das dir geschenkt wird.

Denn jeder, auch der kleinste, Schritt in die richtige Richtung ist am Ende ganz großes Karma.

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