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Eifersüchtig, ich? Niemals. Was tut dann so weh?
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Eifersüchtig, ich? Niemals. Was tut dann so weh?

Von Dr. Sandra Spreemann

Das Gegenteil von Liebe ist Hass - sagen jedenfalls die meisten. Aber was ist mit Eifersucht? Viele halten sie für den wahren Gegenspieler der Liebe, anderen gilt sie als zentraler Liebesbeweis. Über ein Gefühl, das im digitalen Zeitalter wieder schwer aktuell ist. Und was wir tun können, damit es nicht mehr Raum einnimmt, als uns lieb ist.

Für Menschen, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, gibt es einen neuen Stempel: „Generation Beziehungsunfähig“. Junge Leute haben es angeblich schwerer mit der Stabilität, und ihre Erwartungen an eine Partnerschaft erscheinen unverbindlicher. Ist Treue ein Auslaufmodell? Mitnichten! Befragt man die Menschen heute, sagen sie das Gleiche wie seit 25 Jahren: Treue ist das erste Merkmal, an dem sie die Qualität ihrer Beziehungen bewerten. Die Medien mögen es behaupten, aber die Toleranz für Seitensprünge hat sich nicht erhöht.

Eifersucht – von digital bis handgreiflich

Nur so erklärt sich das noch neue Phänomen der sogenannten digitalen Eifersucht. Die beginnt zum Beispiel mit der Frage: „Warum hat er noch nicht geantwortet - ich seh doch, dass er online ist – mit wem redet er also?“ und endet bei Grenzüberschreitungen wie dem Ausspähen seiner oder ihrer Passwörter. Ich kenne vernunftbegabte Menschen, die nicht anders können, als heimlich die Emails oder SMS ihrer Partner mitzulesen. Moderne Technik hat Vor- und Nachteile für Paare. Rund-um-die-Uhr erreichbar sein, auch ohne Worte am Leben des anderen teilhaben können. Aber auch: Nie dagewesene Kontrollmöglichkeiten, welche Eifersucht befeuern oder erst entstehen lassen können!

Ich habe mal nachgeschlagen, was Eifersucht in den letzten Wochen für Schlagzeilen produziert hat: „Mann wirft Freundin (gefrorene) Weihnachtsgans an den Kopf“ Oder: „Inderin hackt Freund den Penis ab (mit Sichel!)“ Gut, das sind die Extreme. Aber zeigt das nicht, dass Eifersucht und Liebe sich grundsätzlich ausschließen? Und müsste man dann nicht jeden Anflug von Eifersucht schon im Keim ersticken, egal ob er noch als Liebesbeweis durchgeht oder nicht?

Hat Eifersucht eine Existenzberechtigung?

Wie so oft, wenn man sich fragt, ob etwas beim Menschen da sein darf oder nicht, landet man bei der Frage: Ist das angeboren oder sozial erlernt? Denn wenn Erik seiner Alina eine unangenehme Szene macht, weil es ihm so in die Wiege gelegt ist (oder umgekehrt), fühlen wir uns als Gesellschaft damit wohler. Evolutionspsychologen glauben, dass dem so ist: Zum einen beobachtet man in Studien schon bei Säuglingen eifersüchtige Reaktionen, wenn die Mamis sich ausgiebig um eine Puppe kümmern. Zum anderen passt die Eifersucht in das evolutionsbiologische Geschlechtermodell. Frauen zeigten in Urzeiten Eifersucht, um Fürsorge und materielle Ressourcen des Partners exklusiv für sich und ihre Kinder zu sichern. Männer hüteten eifersüchtig ihre Frau, damit sie später kein „Kuckuckskind“ versorgen mussten. Auch wenn die Umstände heute zweifellos andere sind - was früher eine bedrohte Existenz angezeigt haben mag, ist heute als Alarmsignal für eine bedrohte Beziehung noch nützlich.

Doch sind wir ja bei weitem nicht alle gleich stark eifersüchtig. Eifersucht hängt offenbar auch maßgeblich davon ab, was jeder Einzelne vorgelebt bekommen, erfahren und auch schon praktiziert hat. So hat es die Wissenschaft lange ausschließlich angenommen, bevor die Evolutionspsychologen kamen. Ich stelle es mir so vor: Wie der Rauchmelder in meiner Wohnung kann sich die angeborene Alarmvorrichtung unter bestimmten Umständen verselbständigen. Und das tut manchmal mehr weh als jede berechtigte Eifersucht.

Mal nur ein Stich, mal alles verzehrend

Eifersucht bringt viele schmerzliche Gefühle mit sich, auch Traurigkeit und Wut. Vor allem aber ist sie ein Konglomerat aus Ängsten. Wenn wir eifersüchtig sind, fürchten wir, verraten zu werden, den anderen zu verlieren, aber auch ganz allgemein ersetzbar zu sein und an Wert einzubüßen, sobald wir denn tatsächlich ersetzt würden. Normale Eifersucht kennt solche Gedanken, belästigt den anderen aber nicht allzu sehr damit. Irgendwann sieht Erik wieder klar, dass Alina nicht wirklich an Sven, Mona oder dem Swingerclub interessiert ist. Oder seine Ängste werden durch ein Gespräch ausgeräumt.


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Bei übertriebener Eifersucht erlangen die genannten Ängste jedoch dauerhaft zu viel Macht. Kaum auszuhalten für die Betroffenen, also werden sie in extremes Misstrauen umgemünzt. Frei nach dem Motto: Ich habe keine Angst, sondern der andere ist böse (oder zumindest verführbar und nicht verlässlich). Den Partner anzuklagen, auszuspionieren und zu kontrollieren ist dann naheliegend und im ersten Moment sogar einfacher, als sich um die eigenen Ängste zu kümmern. Aber ab einem bestimmten Punkt führt das in einen sich selbst verstärkenden Prozess: Je mehr in der Gegenwart der Daumen drauf gehalten wird, desto ungewisser erscheint die noch nicht kontrollierte Zukunft. Das wiederum ist für die Partner schwer auszuhalten. Sie können versichern, was sie wollen - zukünftige Treue lässt sich nun mal nicht beweisen. Am Ende steht der paradoxe Effekt, dass die Eifersucht selbst die Beziehung bedroht, anstatt sie zusammen zu halten.

Was tun, wenn es brennt?

Wenn Du das Gefühl hast in unangemessener Eifersucht Deinem Partnern Unrecht tun, ist es Zeit, zu handeln:

  1. Sei ehrlich und öffne Dich ihm oder ihr. Oft überraschend: Ängste treffen auf mehr Verständnis als Vorwürfe! Mach aber deutlich, dass es Deine Ängste sind, um die Du Dich jetzt kümmern willst. Dafür, dass Du Deinen Partner da mit rein gezogen hast, könntest Du Dich entschuldigen.
  2. Besinne Dich auf Deine Eigenständigkeit. Eifersucht kann ein Hinweis sein, dass man sich zu sehr über seinen Partner definiert. Setze Dich mit Deinen eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen auseinander, und gib nichts unüberlegt für Deinen Partner auf. Menschen mit geringem Selbstwertgefühl neigen stärker zu Eifersucht – wie sieht es mit Deinem aus? Es gibt viele (auch spielerische) Möglichkeiten, das Selbstwertgefühl zu stärken (im Netz recherchieren oder Experten fragen).
  3. Übe, bewusst wahrzunehmen, wenn Dein Partner Dir seine Liebe und Zuneigung zeigt. Dafür hilft es, die Achtsamkeit zu trainieren. Meditation oder Yoga sind ein hervorragendes Mittel.
  4. Bei digitaler Eifersucht unerlässlich: Gemeinsame Accounts aufgeben, Passwörter geheim halten oder neu vergeben, „Zuletzt-online“-Anzeigen deaktivieren sowie alle Features, die eine Überwachung des anderen zulassen. Beide!
  5. Richtig ungesund wird es, wenn die Eifersucht dauerhaft das alltägliche Leben bestimmt. Bist Du so von ihr absorbiert, dass andere Lebensbereiche wie Beruf, Freunde oder Freizeitaktivitäten massiv darunter leiden? Dann ist externe Hilfe wichtig (z.B. Eifersuchtssprechstunde, Psychotherapeut oder Selbsthilfegruppe).

Und wenn es gar keine Eifersucht mehr gäbe? Dieses Experiment hat man schon gemacht (70er-Jahre-Studentenbewegung). Aber alles Besitzdenken dogmatisch zu verbieten, hat die Gesellschaft auch nicht weitergebracht. Letztlich ist es doch wie mit Medizin aus der giftigen Pflanze: Die Dosis ist entscheidend, ob sie tötet oder heilt.

Immerhin sind wir Yogis im Vorteil. Denn wir wissen: Als Gefühl ist Eifersucht weder gut, noch schlecht. Akzeptiere, dass sie da ist, erkenne, dass sie in Unwissenheit wurzelt und mache dich auf die innere Suche nach Selbsterkenntnis. Also, ich versuche es jedenfalls.

 

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