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„Die Stimme ist das Hauptwerkzeug der Yogastunde”
Bildquelle: Johanna van Löchtern

„Die Stimme ist das Hauptwerkzeug der Yogastunde”

Von Merle Blankenfeld

Unsicherheit, falsches Atmen – oder schlicht zu leises Sprechen: Yogalehrer kennen viele Probleme mit ihrer Stimme. Die Hamburger Stimmtrainerin Johanna van Löchtern gibt Trainings zum Thema „Talk like a Teacher” und vermittelt Lehrern das nötige Know-how, um ihr ganz eigenes Werkzeug – die Stimme – richtig einzusetzen. Im Interview gibt sie wichtige Sprechtipps, erklärt die häufigsten Fehler und verrät, wie Yogalehrer sich ihre Unsicherheit nicht anmerken lassen.


YogaEasy: Wie bist du dazu gekommen, Stimm- und Sprechtraining für Yogalehrer zu geben?

Johanna van Löchtern: Ich denke, als Yogalehrer ist es unsere Aufgabe, den Schülern einen bestmöglichen Unterricht zu liefern. Die Stimme ist das Hauptwerkzeug in jeder Yogastunde. Sie leitet die Teilnehmer in herausfordernde Asanas oder in eine tiefe Entspannung. Ich selbst habe eine Schauspielausbildung und danach eine Ausbildung als Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin (2 Jahre) absolviert. Währenddessen habe ich bereits Yoga unterrichtet. Ich bin im Anusara Yoga und Yin Yoga ausgebildet. Als ich nach Hamburg gezogen bin, ist mir bewusst geworden, dass viele Lehrer unterrichten, ohne in den Genuss von Stimmtraining gekommen zu sein. Ich fand das sehr widersprüchlich, da es ein Beruf ist, der zu einem großen Teil über die Stimme funktioniert. Ein Nachrichtensprecher wird schließlich auch dazu ausgebildet, gut und verständlich zu sprechen.

Darüber hinaus war ich in Yogastunden von anderen Lehrern und dachte mir insgeheim, dass bei diesen noch mehr Stimmpotenzial und Ausdruckskraft vorhanden sei. Zudem lernte ich Lehrer kennen, die unter Symptomen wie Heiserkeit, Räuspern oder Atemnot litten. Ich fand das schade, da Stimmtraining leicht und effektiv erlernbar und anwendbar ist. Durch diese Erkenntnisse kam ich zu dem Entschluss, meine zwei Fachgebiete, Yoga und Stimmtraining, miteinander zu verknüpfen. Mit einer ausgebildeten Stimme kann jeder Lehrer seine Schüler besser erreichen und seine eigene Message effektiver in die Welt tragen.

Wie ist die Resonanz auf dein Angebot?

Sehr gut. Es kommen sowohl Lehrer, die noch ganz neu im Geschäft sind, gerade erst ihre Ausbildung abgeschlossen haben, als auch Lehrer, die schon viele Jahre unterrichten. Da die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema für die meisten neu ist, kann jeder Lehrer teilnehmen. Das Tolle ist: Stimmtraining wirkt sich positiv auf die gesamte Persönlichkeit aus, da Aspekte wie Präsenz, Selbstbewusstsein und lautes Sprechen durch Stimm- und Körperübungen geübt werden. Diese neuen Erfahrungen nutzen viele Teilnehmer nicht nur im Yogaunterricht, sondern in ihrer Selbständigkeit, als Führungskraft oder als Mutter.

Warum ist unsere Stimme als Instrument so wichtig?

Unsere Stimme ist unser Werkzeug schlechthin. Mit Tonhöhe, Betonung, Akzentuierung, Stimmklang oder Wortfolge werden unterschiedliche Botschaften gesendet. Sollen sich die Schüler nach der Stunde frisch und munter fühlen oder ausgeruht und ruhig? Solche Aspekte werden neben der Yogasequenz primär mit der Stimme übermittelt.

Die Stimme ist das Instrument, um durch Übungssequenzen zu leiten. Stell dir eine Yogastunde ohne Stimme vor. Über die Stimme wird vermittelt, was zu tun ist und wie. Der Schüler kann durchs Zuhören dabei sein und muss nicht mit den Augen dem Lehrer folgen. Wenn der Lehrer gelernt hat, leicht und zielführend über die Stimme anzuleiten, hat er mehr Zeit, Schülern zu assistieren oder ihnen persönliche Hilfestellungen zu geben.

Welche Rolle spielt die Atmung beim Stimm- und Sprechtraining?

Die Atmung ist das Fundament der Stimme und des Sprechens. Zum Beispiel fühlen wir ein Kratzen im Hals, müssen uns räuspern oder werden heiser. Oft schieben wir das „Problem“ auf unsere Stimme. Meist ist aber nicht die Stimme das Problem, sondern die Atmung. Es wird zu flach geatmet, und somit ist zu wenig Luft für Stimmschwingung vorhanden. Am Ende wird die Stimme gedrückt, wodurch ungewollt Anspannung an den Stimmbändern entsteht, die die zuvor genannten Symptome hervorrufen. Um das verständlicher zu erklären: Mit der Luft aus der Lunge entstehen Schallwellen an den Stimmlippen, die als Klang hörbar sind. Ist zu wenig Luft vorhanden, schwingen die Stimmlippen schlechter, und es wird mehr überflüssige Kraft aufgewandt, um Klang entstehen zu lassen. Eine gute und tiefe Atmung fördert einen vollen und kräftigen Stimmklang.


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Was sind die häufigsten Fragen oder Probleme, mit denen Yogalehrer deine Workshops besuchen?

Die häufigsten Fragen sind, was die Lehrer für eine lautere Stimme tun können, und was sie tun können, wenn die Stimme „wegbricht“. Darüber hinaus wollen die Lehrer lernen, wie sie besser anleiten können, ohne alle Übungen mitmachen zu müssen.

Kannst du dabei Unterschiede zwischen Frauen und Männern machen? Oder ähneln sich die Themen?

Für alle ist wichtig, wieder eine natürliche Atmung zu erlernen und zu ihrem eigenen Stimmklang zurückzufinden. Darüber hinaus gibt es Tendenzen, dass Frauen dazu neigen, zu hoch zu sprechen. Das kann allerdings schnell gelöst werden.

Was sind die häufigsten Fehler, die Yogalehrer – aber auch andere Menschen – beim Sprechen machen?

Viele Menschen atmen zu flach. Dadurch ist der Stimmklang unvoluminös und leise. Darüber hinaus sprechen Frauen teilweise zu hoch. Oft wirkt dies auf den Zuhörer kindlich oder verniedlichend. Ich finde es wichtig, dass Frauen als Yogalehrerin – aber auch in anderen Positionen – ernstgenommen werden. Und über die Stimme können vor allem Frauen in ihre Kraft und Tiefe kommen und darüber ein ganz neues Standing erleben. Eine tiefere Stimme wird außerdem vom Zuhörer als angenehmer empfunden.

Kannst du die drei wichtigsten Tipps geben, auf die man beim Sprechen achten sollte?

Atmung ist wie bereits erwähnt der wichtigste Punkt. Dabei ist darauf zu achten, dass mit der Einatmung die Bauchdecke sich richtig hebt. Am Ende der Einatmung sollte die Luft nicht angehalten werden, sondern sofort wieder ausgeatmet werden.  

Pausen machen ist der zweitwichtigste Punkt. Als Sprecher geht es nicht darum, möglichst viel Information in kurzer Zeit zu senden. Für den Zuhörer ist es viel angenehmer, wenn der Sprecher sich Zeit lässt und bewusst Pausen macht. Dadurch kann der Zuhörer die Informationen leichter aufnehmen und verarbeiten.

Die Körperhaltung. Denn Körperhaltung und Stimme stehen in enger Korrelation. Redet jemand langsam, gestikulierst er langsam und vice versa. Die Körperhaltung kann für den eigenen Zweck genutzt werden. Du möchtest lebendig sprechen und die Menschen mitreißen? Nutze mehr Gestik, und deine Stimme wird automatisch lebendiger werden.

Viele (angehende) Yogalehrer haben Bammel, vor der Klasse zu sprechen. Was sind die wichtigsten Ratschläge, die du ihnen gibst, um die Angst zu überwinden?

Es gibt gezielte Atem- und Körperübungen, die ich in meinem Training unterrichte. Darüber hinaus rate ich dazu, die Angst zu kommunizieren und zum Beispiel vor der Gruppe zu sagen: „Ich bin ganz schön aufgeregt.“ Es hilft wenig, die Angst „weghaben“ zu wollen. Die Vortragssituation ruft unseren Urinstinkt hervor, der Gefahr wittert und fliehen oder kämpfen möchte. Alle Sinne sind geschärft, der Körper ist voller Energie und Hormone. Die Angst hilft uns zudem, dabei eine gute Leistung zu erbringen. Falls die Anspannung jedoch zu hoch ist, rate ich dazu, dem Urinstinkt zu folgen und zu hüpfen, sich auszuschütteln, sich zu bewegen und vielleicht eine Runde um den Block zu rennen. Dem Impuls nach „Flucht“ nachzukommen, löst die überflüssige Anspannung im Körper. Probiere es aus!

Wenn diese Tipps nicht helfen und das Thema sehr belastend ist, biete ich Einzelcoaching an. Es gibt eine Methode, die „Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie” (PEP®) heißt. Mit dieser lassen sich Ängste und Blockaden schnell und effektiv auflösen, sodass Leichtigkeit und Selbstbewusstsein entstehen.

Hast du einen Tipp, um zumindest sicherer und selbstbewusster zu klingen – auch wenn man Angst hat? 

Mein Tipp wäre, auf die Körperhaltung zu achten. Stell dir vor, dass du selbstbewusst bist. Wie würdest du gehen und dich bewegen? Was würdest du denken, fühlen, und wie würdest du dich verhalten? Du musst dir diese „Einstellung“ so verinnerlichen, dass dein Körper sie in jedem Moment hervorrufen kann und du sie gezielt in der Situation, in der du Angst hast, nutzen kannst. Übe dies Tage zuvor, nicht erst zwei Minuten vor dem wichtigen Event. Die Stimme wird sich von allein anpassen!

Was sind deine nächsten Projekte in Sachen Stimmtraining und Yoga?

Ganz neu ist, dass es 2018 mein Stimmtraining für Yogalehrer als 50h+ Ausbildung in Kooperation mit Unit Yoga in Hamburg geben wird. Der Termin ist vom 12. bis 15. April 2018. Ich freue mich sehr auf die Ausbildung und auf alle Yogalehrer, die dabei sein werden. Das Tolle für mich ist, dass das Stimmtraining auch Persönlichkeitstraining ist. In dem Moment, in der wir an der Stimme arbeiten, arbeiten wir an Aspekten wie Präsenz, Körperhaltung und Selbstbewusstsein. Das sind alles Dinge, die meine Schüler über die Matte hinaus in ihr Leben mitnehmen. Darauf bin ich stolz, und deswegen gebe ich dieses Training so gerne.


Über Johanna van Löchtern:

Johanna absolvierte ihre Schauspielausbildung in München und vertiefte ihr Wissen als Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin (2 Jahre). Ihr Yogaunterricht ist geprägt durch ihre Ausbildung bei Barbra Noh. Weitere Ausbildungen sind Trainings bei Gabrielle Bernstein sowie Brendon Buchard und ihre abgeschlossene Ausbildung in Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie PEP®. Aktuell vertieft sie ihr Wissen als systemischer Coach.

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