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Die Geschichte der Yoga-Übungen
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Die Geschichte der Yoga-Übungen

Von Katharina Goßmann

Wie und wann die körperlichen Yoga-Übungen nun genau entstanden sind, darüber streiten sich die Gelehrten. Die einen glauben, dass Yoga-Übungen tausende von Jahren alt sind, die anderen halten Asanas für die Erfindung westlicher Sportler. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Aber dazu später mehr. 

Zuerst wollen wir dir die zwei schönsten Legenden zum Ursprung vorstellen!

Yoga-Übungen aus Sicht der yogisch-hinduistischen Tradition

Legende 1: Shiva und der Fisch

Nach der Legende wollte Shiva seine Frau Parvati in die Lehre des Tantra einführen. Sie setzten sich in ein Boot und fuhren einen Fluss entlang (eine andere Version besagt, dass sie am Meeresstrand saßen) und Shiva dozierte vor sich hin. Nach einer Weile nickte Parvati ein. Shiva bemerkte das und fragte „Schläfst du?“. Statt Parvati antwortete ihm ein Fisch, der schon die ganze Zeit neben dem Boot hergeschwommen war: „Nein, ich höre dir aufmerksam zu.“ Shiva erkannte, dass der Fisch eigentlich der Fischer Matsyendra war (andere sagen, dass sich Matsyendra in einem Fisch verborgen hatte) und führte statt Parvati den aufmerksamen Matsyendra in die Lehre des Tantra ein. Unter anderem beschrieb er 84 Yoga-Übungen. Matsyendra trug die Lehre des Tantra weiter und gilt daher manchen als der Begründer des Hatha Yoga.

 

Legende 2: Yogis im Wald

Als die ersten Yogis sich in die Einsiedelei ihrer Wahl zurückzogen – Wälder, Berge etc. – meditierten sie den ganzen Tag, nur unterbrochen von den notwendigsten Verrichtungen. Bald bekamen alle Probleme mit ihren Körpern. Egal, wie stark der innere Wunsch zu meditieren war, der Körper machte einfach nicht mehr mit. Sie kamen auf die Idee, den Körper mit Übungen zu stärken. Da sie nur von Tieren umgeben waren, ließen sie sich davon inspirieren und erfanden so neue Asanas. Kobras, die ihre Köpfe nach oben streckten = Bhujangasana, Hunde, die sich nach oben = Urdhva Mukha Shvanasana, und unten = Adho Mukha Shvanasana reckten, Adler = Garudasana, Tauben = Kapotasana...

Yoga-Übungen in der Yoga-Literatur

So schön diese Legenden sind - nachzuweisen sind sie nicht. Die Recherche in der einschlägigen Yoga-Literatur bringt da belastbarere Ergebnisse. In den drei wichtigsten Yoga-Büchern werden allerdings nur einige wenige Asanas erwähnt.

Patanjalis Yoga Sutra

Im Vers 2.46 schreibt der weise Patanjali, dass die Sitzposition beim Yoga stabil, bewegungslos und bequem sein sollte.

Bhagavad Gita

Der Krieger Arjuna erwähnt ebenfalls nur, dass Yoga im Sitzen praktiziert werden soll.

Hatha Yoga Pradipika

Die Pradipika beschreibt folgende Asanas:

  • Svastikasana (die sitzende Meditationshaltung in Form einer Svastika) - das bei uns als Hakenkreuz bekannte Symbol ist im Hinduismus, im Buddhismus und im Jainismus ein religiöses Glückssymbol 
  • Gomukhasana (das Kuhgesicht) 
  • Virasana (die sitzende Helden-Stellung)
  • Kurmasana (die Schildkröte)
  • Kukkatasana (der Hahn): Lotus auf zwei Händen balanciert
  • Uttana-Kurmasana (die aufgerichtete Schildkröte)
  • Dhanurasana (der Bogen)
  • Matsyendrasana (Drehsitz, benannt nach dem Yogi und „Fischmeister“ Matsyendra, s.u.)
  • Paschimottanasana (die sitzende Vorbeuge)
  • Mayurasana (der Pfau)
  • Savasana (die Totenstellung, s.u.)

Die Pradipika erwähnt auch, dass Shiva 84 Yoga-Übungen weitergegeben hat (s.o. Shiva und der Fisch), und nennt als die vier essentiellsten:

  • Siddhasana (Position des Erleuchteten)
  • Padmasana (der Lotussitz)
  • Simhaasana (der Löwe)
  • Bhadrasana (der Schmetterlingssitz)

Diese Grundlagen-Werke erklären also nicht, wie so viele und so wirkungsvolle Asanas entstanden sind. Tatsächlich ist die Reise des Yoga und damit die Entwicklung der Yoga-Übungen über mehrere Jahrhunderte und viele prägende Persönlichkeiten wie Krishnamacharya bis in westliche Fitness-Studios ein komplexes und hoch-interessantes Thema.


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Yoga-Übungen im Wandel der Zeit

Die meisten Yoga-Übungen, die wir im Westen praktizieren, werden also weder in den yogischen Literatur-Klassikern erwähnt noch wurden sie von Shiva oder halbnackten Yogis in einem indischen Wald erfunden. Vielmehr haben im Laufe der Zeit nicht nur etliche von einem Guru ausgebildete Yogis neue Yoga-Traditionen gegründet, neue Positionen entwickelt, Techniken aus verwandten körperlichen und geistigen Disziplinen (von Pilates bis Autogenes Training) ins Yoga integriert – auch Aerobic Lehrerinnen, Martial Arts-Fans und Personal Trainer von prominenten Schauspielerinnen haben sich die Yoga-Übungen genommen und sie mit ihrem Wissen, ihren Schwerpunkten und ihren Interessen weiterentwickelt und so verändert.

Im Yoga gibt es keinen Papst, der weltweit bestimmt, welche Yoga-Übung eine offizielle Asana ist oder festlegt, wie sie genau ausgeführt wird und wie sie heißt. Deshalb bleibt die Familie der Yoga-Übungen eine dynamische, die sich mit der Zeit und der Gesellschaft verändert. Viele Yogis der ersten Stunde und solche, die sehr klassische Stile praktizieren, bedauern das – sie haben Angst davor, dass die Essenz der Yoga-Übungen in den Irrungen und Wirrungen des Zeitgeists verloren geht und am Ende nur ein modernes Work-out übrig bleibt. Andere genießen die Lebendigkeit und die Anpassungsfähigkeit der Yoga-Übungen und argumentieren, dass die Yoga-Übungen in modernen Gesellschaften anderen Ansprüchen und Bedürfnissen genügen müssen und der westliche Yogi auf ganz anderen Ebenen abgeholt und angesprochen werden muss.  

Und noch eine Frage: Warum haben Yoga-Übungen so komische Namen?

Yogaübungen haben ursprünglich Namen, die aus dem Sanskrit kommen. Sanskrit ist eine heilige Sprache, die laut Hinduismus den Menschen direkt von den Göttern gelehrt wurde. Auch Asana ist ein Sanskrit-Wort und heißt auf deutsch „Sitz“. Im übertragenen Sinn bedeutet es „mit dem zurechtkommen, was da ist“, d.h. sich nicht ablenken zu lassen und in der Situation (also der jeweiligen Yoga-Übung) gelassen und gleichmütig zu bleiben.

Yoga-Übungen werden in vielen Yoga-Stunden bei ihrem ursprünglichen Namen in Sanskrit genannt. Das ist nicht nur eine Hommage an ihre Herkunft, sondern auch von Nutzen, weil sich so eine internationale Sprache des Yoga entwickelt hat, die es ermöglicht, überall auf der Welt ein Yogastudio zu besuchen.

Es gibt wie gesagt auch „moderne“ Asanas, also solche, die erst kürzlich von westlichen Yogis erfunden wurden. Diese Asanas sind häufig unter ihrem englischen Namen bekannt: „Happy baby“ oder „Wild thing“/„Rockstar Pose“. Das bedeutet aber nicht, dass sie keinen Sanskrit-Namen haben. Solche Sanskrit-Namen sind dann meist eine Übersetzung des englischen Namens oder eine Beschreibung der Haltung.

Wenn du dich für die Geschichte des Yoga und der Asanas interessierst, solltest du unbedingt folgendes Buch lesen: Georg Feuerstein: Die Yoga Tradition, Yoga Verlag, gebundene Ausgabe, 696 Seiten. 

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