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Engpass: Wie Yoga beim Karpaltunnelsyndrom hilft
Bildquelle: Shutterstock.com

Engpass: Wie Yoga beim Karpaltunnelsyndrom hilft

Von Kristin Rübesamen

Oft ist die Manschette in melancholischem Blau, denn das Karpaltunnelsyndrom ist neben seiner Anhäufung an Konsonanten leider oft eins: chronisch. Doch es gibt eine gute Nachricht: Du kannst aktiv etwas gegen die Enge im Handgelenk tun.

Was ist das KTS?

Vom KTS ist der Medianus-Nerv, der im Handgelenksbereich zusammen mit Sehnen durch den Karpaltunnel führt, eingeengt. Da dieser Mittel (= Medianus)-Nerv für die Sensibilität von Daumen-, Zeige- und Mittelfinger als auch die Steuerung diverser Muskeln in der Hand verantwortlich ist, führt seine Schädigung in der Nacht zu Kribbeln und einem Taubheitsgefühl. (Das kann aber auch einfach daran liegen, dass das Handgelenk im Schlaf eingeknickt ist und lediglich die Durchblutung gestört ist).

Es können außer einem Ausstrahlen des Schmerzes in den Arm auch beim Greifen Schmerzen auftreten, die sich manchmal wie ein elektrischer Schlag anfühlen und sehr weh tun können. Nach einer gewissen Zeit können sich sogar die Muskeln im Handballen abbauen. Frauen leiden etwa drei- bis viermal häufiger unter dem KTS als Männer.

Die Enge im Tunnel erhöht den Druck

Die Enge im Tunnel erhöht den Druck auf den Nerven und all jene Gefäße, die ihn mit Blut versorgen. Durch diesen Druck wiederum kann der Nerv nicht mit den nötigen Nährstoffen und Blut versorgt werden. Und diese Unterversorgung wiederum führt dazu, dass der Nerv seinen Job nicht mehr machen kann und, falls sich die Sache hinzieht, sogar beschädigt werden kann.

Ursachen für den Engpass

Gott sei Dank bekommt man kein KTS durch Schreiben, Tippen oder normales Arbeiten. Abgesehen von anatomischer Vorbelastung der Knochen, Verletzungen und Brüchen in der Region um das Handgelenk können die Sehnenscheiden durch Stoffwechselstörungen, Rheuma, Arthrose, in der Schwangerschaft oder durch Überbelastung anschwellen, sich entzünden und auf diese Weise den Nerv einengen. Eine weitere Ursache kann Diabetes sein.

Eine Diagnose wird in der Regel durch elektrophysiologische Untersuchungen gestellt, bei der die sogenannte Nervenleitgeschwindigkeit gemessen wird. (Es ist wirklich wie bei Verkehrsnachrichten!) Auch Ultraschall oder MRT Untersuchungen sind möglich.

Therapie

Sobald die Schmerzen häufig auftreten oder gar nicht mehr verschwinden, sollte man zum Arzt gehen. Dieser verschreibt einem entweder eine Handgelenksschiene oder Kortison in Form von Tabletten beziehungsweise als Spritze in den Karpaltunnel. Sollte nichts davon helfen - vor allem Kortison sollte nicht über eine bestimmte Zeit hinweg genommen werden -, besteht noch die Möglichkeit einer Operation, bei der der Arzt das Bindegewebe, genauer gesagt das „Ligamentum carpi transversum“ spaltet, um dem Innenleben des Nervs mehr Platz zu verschaffen und so eine Art „Open Air“ Situation zu verschaffen (Mediziner, bitte verzeiht mir den saloppen Ausdruck). Dadurch wird der Druck geringer und der Nerv kann regenerieren.

Yoga hilft

Neben Schonung und Schienung, die Patienten den Schlaf raubt und daher höchst unbeliebt ist, gibt es noch eine weitere Möglichkeit, sich mit dem KTS zu beschäftigen, und das Handgelenk als das zu sehen, was es ist: Als Teil des ganzen Körpers.

  • Ein Handgelenk, in dem ein Engpass herrscht, hängt an einem Arm, der an einer Schulter hängt, die in einen Schultergürtel integriert ist, welcher wiederum über Schlüsselbein und muskulär über das Schulterblatt mit dem Rumpf verbunden ist.
  • Ein zusammengesunkener Brustkorb, eine schlechte nach vorne über den Computer gekrümmte Haltung, das Vorrecken des Kopfs und die daraus resultierende Überbelastung von Nackenmuskulatur erzeugen ein „Grundklima“, das ganz allgemein die Durchblutung und Versorgung des Organismus mit Sauerstoff behindert.
  • Das „Festhalten“ an einer bestimmten Haltung, einem Griff, verstärkt den Druck, der auf dem Gelenk lastet. Verschlimmert wird die Lage durch das subjektive Gefühl der „Überlastung“ durch einen bestimmten Job oder eine Bürosituation, der man nicht entkommen kann.
  • Eine restriktive Atmung durch die nach vorne gebeugte Haltung, bei der sich die Rückenwirbel kaum bewegen können, und die Brust sich nicht weiten und bewegen kann, hat ebenso tiefgreifende Konsequenzen auf die Durchblutung der Extremitäten, wie allgemeine Lebensstilfragen.
  • Wie oft mache ich Pausen? Mit welcher Einstellung gehe ich an die Arbeit? Mit wie viel Kraft haue ich in die Tasten (vermutlich zu wütend), und wie einfach gelingt es mir, nach der Arbeit, also wenn es eigentlich vorbei ist, wirklich loszulassen? Wie sehr stehe ich finanziell unter Druck?

All diese Fragen, falls ich sie mir nicht von alleine stelle, fliegen mir in meiner Yogapraxis um die Ohren.

Sündenbock: Herabschauender Hund

Tatsächlich kann in selten Fällen sogar durch eine zu verbissene und falsch ausgerichtete Yogapraxis ein KTS entstehen, wenn die Anlage dazu da ist. Zu platt und einseitig in die Erde gedrückte Hände im Hund, zu wenig Mitarbeit durch Zentrum und Atmung in Armbalancen, falsche Ausrichtung in Chaturanga Dandasana: dann schmerzen die Handgelenke und eine Pause ist angesagt.

„Lift“ up

Sobald du aber verstanden hast, dass je nach dem, wie du deine Hände in die Erde presst, dein Hund sich entfalten kann, kannst du sogar im Herabschauenden Hund deine Handgelenke kräftigen. Sobald du dein Handgewölbe nach oben ziehst, setzt sich dieser „Lift“ von Gelenk zu Gelenk nach oben fort, und du kannst den Druck aus dem Handgelenk förmlich ziehen. Weitere Dehnübungen, bei denen du vorsichtig deine Handgelenke dehnen und zirkulieren lässt, kannst du im Sitzen ausführen.

Meditation, ein achtsamer Umgang mit deiner Umgebung, angefangen bei deiner Tastatur bis hin zu deiner Familie, ein gewisses Element von Sukha in den Gelenken: Hier liegt der Schlüssel nicht nur für gute Laune, sondern auch für gut geölte Gelenke.

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