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Barbra Noh: Yoga des 21. Jahrhunderts
Bildquelle: Barbra Noh

Barbra Noh: Yoga des 21. Jahrhunderts

Von Kristin Rübesamen

Ein Foto von einer Yogakonferenz gab den Ausschlag: Eine Lehrerin unterrichtete eine Version von Adho Mukho Svanasana, die mehr nach Frosch als nach Hund aussah. Ein Lehrer protestierte, und nun wird seit Tagen diskutiert über Hunde, Rechte- und Eigentumsfragen. Die Lehrerin ist die bekannte Anusara-Lehrerin Barbra Noh, der Lehrer der Begründer von Anusara Yoga John Friend, der Hund, der nach Frosch aussieht, ist der Hammer, wir haben es ausprobiert. Wir wollen uns da nicht einmischen. Da wir aber sowieso über Barbras Stunde auf der Kölner Yoga Conference berichten wollten, tun wir es jetzt umso lieber. Lest bis zum Ende, dann wisst ihr, warum.

Barbra Noh auf der Yoga Conference

Als Barbra Noh am Samstag kurz nach acht Uhr (morgens natürlich, denn wir waren in Köln auf der Yoga Conference und nicht bei Rock am Ring) auf die Bühne ging, war der Saal bis auf den letzten Platz, die letzte Matte besetzt. Man muss wissen, dass dies für jeden Menschen ein sensibler Moment ist.

Was macht man mit einer solchen Menge? Ob du Rockstar bist, DB-Vorstand oder Yogalehrerin: Du hast Hunderte von Menschen vor dir und ebenso viele Hoffnungen und Erwartungen. Sprich: Es kann eigentlich nur schiefgehen. Barbra winkte uns alle zu sich an den Bühnenrand und setzte sich gemütlich hin. Sie hätte jetzt angeben können und ein paar der tollen Asanas vorführen können, die jeder so gerne könnte. Aber sie erzählte von ihren Verletzungen, und dass sie Yoga übte, weil sie sonst unausstehlich wäre. Im Publikum Raunen. Viele von uns kennen das, nur wenige trauen es sich zu sagen. Weil diese Praxis so existenziell für sie sei, sei es entscheidend, so zu üben, dass sie das bis zu ihrem Lebensende tun könne.

Es ging an diesem Morgen um intelligentes Üben, nachhaltiges Üben, teils einfache, teils komplexere „actions“, es ging um Waden, Hüften, Schultern, unsere Halswirbelsäule. In den nächsten zwei Stunden gab Barbra Noh handfeste Tricks und Tipps und klare Anweisungen, wie die drei Kurven in der Wirbelsäule schön kurvig bleiben, warum die Vorstellung von „Hohlräumen“ unsere Gelenke schützt, und warum uns Stabilität stärkt und ständiges Dehnen nicht. Während wir lernten und übten und zwischendurch lachten und zuhörten und immer mehr verstanden vom Yoga, ging es ganz nebenbei darum, wie wir leben wollen, immer auf maximalen Gewinn bedacht oder auf lange Sicht mit Blick auf unsere Ressourcen.

Wie Yoga uns guttut – und wie nicht

So lenkte Barbra, ohne den Moralapostel zu spielen, den Fokus vom glamourösen Instagram-Yoga unserer Zeit zurück auf das Yoga, was uns guttut und stark macht. Oder besser: Sie entwarf ein Vision vom Yoga, wie es sein sollte, wenn wir uns davon verabschieden, unbedingt besser und flexibler und großartiger zu werden, eine Vision vom Yoga im 21. Jahrhundert.

Eine Vision vom Yoga, in dem wir von einander lernen, uns stützen, unser Wissen und unsere Erfahrungen teilen. Ich kenne nur wenige Yogis, die so großzügig teilen wie Barbra, so uneigennützig unterrichten, so intelligent, so unermüdlich und so warmherzig. Als ich es ihr sagte am Schluss, lächelte sie, ein bisschen erschöpft und fast ein wenig schüchtern. Sie wird 47 Jahre alt demnächst, und ich hoffe, sie bleibt uns noch viele Jahrzehnte erhalten.

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