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Alles über Ahimsa: Gelebte Gewaltlosigkeit
Priscilla du Preez auf Unsplash

Alles über Ahimsa: Gelebte Gewaltlosigkeit

Von Madhavi Guemoes und Merle Blankenfeld

Wir leben in schwierigen Zeiten voller Gewalt. Unsere Gesellschaft richtet mit ihrer Gier die Natur und unser Ökosystem zugrunde, Flüchtlinge ertrinken in den Meeren vor Europa, und populistische Politiker schüren die Angst vor dem Unbekannten und Mangel. Mehr denn je ist unsere Yoga-Praxis gefordert. Aber nicht, um abzuschalten, uns noch schöner zu fühlen oder ein knackiges Hinterteil zu formen. Stattdessen können uns die Yamas und Niyamas, die ersten beiden Teile des achtgliedrigen Yogawegs aus Patanjalis Yoga-Sutra, dabei helfen, uns in dieser chaotischen Welt zurechtzufinden. Die fünf Yamas sind ethische Richtlinien, wie wir klug mit anderen Lebewesen umgehen sollten und Frieden fördern können. Ahimsa ist das erste Yama und gilt als das wichtigste ethische Grundprinzip im Yoga.

Was hat das mit Yoga zu tun? Patanjalis Yoga-Sutra und Ahimsa

„Wer in Rede, Gedanken und Tat fest in der Gewaltlosigkeit gründet, in dessen Gegenwart lassen andere von Feindseligkeit ab.”

Patanjali, Yoga-Sutra

Ahimsa bedeutet, gewaltlos mit sich selbst und mit anderen umzugehen. Die wichtigste Voraussetzung, um das Prinzip dieses Yamas tatsächlich zu begreifen und so auch in die Tat umzusetzen, ist das Verständnis des All-Eins. Wir alle sind miteinander verbunden, genauso wie mit allem Lebendigen, allen Pflanzen, der Luft und allen Tieren. Welchen Sinn hätte es also, jemand anderem Schaden zuzufügen, wenn wir damit am Ende uns selbst schaden? Laut dem Yoga-Sutra sollen wir also möglichst sanftmütig und friedlich miteinander umgehen. Das können wir mit Achtsamkeit üben. Wenn wir uns bei negativen, urteilenden Gedanken über uns und andere ertappen, nehmen wir einfach wahr, dass diese Gedanken da sind. Wir nehmen sie an und lassen sie dann ohne Groll weiterziehen. Wichtig ist, dass wir uns nicht mit ihnen identifizieren.

Ein wichtiger Begriff im Zusammen hang mit Ahimsa ist Maitri, die liebevolle Güte – sie entspricht dem buddhistischen Pali-Begriff Metta. Wir sollten bei jeder Handlung Maitri kultivieren. Wer aus Maitri heraus spricht und handelt, praktiziert automatisch Ahimsa. Das kannst du beispielsweise in der Meditation üben, hier mit Laura Malina Seiler:

Yoga Video Metta-Meditation: Liebevolle GüteYogaEasy-Video abspielen

Ahimsa mutig in die Welt hinaustragen, aber wie?

Was können wir also tun, um den Fokus von unserem „narzisstischen Ich”, dem Ego, zu nehmen und wirklich das erste Yoga-Prinzip, also Ahimsa, wirklich ernst zu nehmen? Richtig: Wir können klein anfangen. Jeder Schritt zu Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Offenheit und Toleranz zählt.

Ein wunderbarer Yogalehrer, Chris Chavez, hat 2013 mit seinen Schülern, als es in Istanbul so viele Unruhen gab, einfach seine Yogamatte zwischen Demonstranten, Polizisten und Tränengas ausgerollt und mittendrin Yoga unterrichtet. Es mag verrückt klingen, doch er hat tatsächlich etwas damit bewirkt. Wie mutig!

Heute wichtiger denn je: das Thema Klimaschutz. In unserem Umgang mit dem Planeten fehlt es ganz klar an Ahimsa. Wir müssen dringend aufhören, der Umwelt, dem Ökosystem und den Tieren Gewalt zuzufügen. Denn am Ende zerstört die Menschheit ihren eigenen Lebensraum, indem sie Raubbau an der Natur betreibt. Gibt es ein besseres Sinnbild dafür, dass im Universum alles eins und miteinander verbunden ist?

Ahimsa im Alltag: Gewaltlosigkeit in Schrift, Wort und Tat

Aber es fängt schon viel früher an. Wir allen kennen vermutlich Yogis, fünfmal die Woche im Studio schwitzen, stöhnen und selig lächeln. Eines Tages stehen sie im Supermarkt vor uns an der Kasse – und motzen mit hochrotem Kopf die Kassiererin an und benehmen sich vollends daneben. Gemecker wegen Nichtigkeiten, und von Ahimsa keine Spur.

Und in genau solchen Situationen ertappen wir uns sicher selbst auch. In der Theorie, in unserer Yoga-Praxis und in der Meditation ist uns das Konzept Ahimsa vielleicht schon sehr klar. Vielleicht ist eine vegane Ernährung auch schon Teil deiner Praxis, um Leid und Gewalt an anderen Lebewesen zu vermeiden (im Jivamukti Yoga etwa spielt dieser Aspekt des Ahimsa eine große Rolle). Aber im täglichen Umgang mit den Arbeitskollegen, im Straßenverkehr oder auch mit deinem Partner fällt es dir vielleicht doch manchmal schwer, ohne Gewalt zu kommunizieren. Entwickele eine Aufmerksamkeit dafür, wann du nicht im Einklang mit Ahimsa sprichst oder handelst. Nimm es wahr, ohne negativ über dich selbst zu denken und zu urteilen. Kultiviere eine liebevolle Achtsamkeit, und du wirst merken: Mit der Zeit wird es leichter.

Wenn jeder Einzelne von uns mehr Ahimsa in seinen Alltag integrieren würde (statt sich um ein sehr, sehr aufwendiges Sanskrit-Studium zu bemühen oder das Yoga-Sutra auswendig zu lernen), und nicht ignorant und egoistisch nur nach seinen Vorzügen leben würde, ach, die Welt wäre schon bei weitem erträglicher.

Wir können uns folgende Fragen stellen: Wie gehe ich mit meinem Partner um? Meinen Kindern? Meinen Freunden? Ja, auch meinen Feinden? Wie sind meine Worte, wie ist mein Handeln, mein Denken? Wo ist Ahimsa?

Merke: Wer Ahimsa praktiziert, entwickelt Mut, Aufrichtigkeit und reduziert Schadenfreude, Sarkasmus, Ironie und Spott. Hört sich gut an? Fangen wir an!

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