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Alles im Fluss: Panta Rhei statt Panikattacken
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Alles im Fluss: Panta Rhei statt Panikattacken

Von Dr. Maria Wolke

Alles ist Veränderung

Die Annahme, dass sich alles um uns und auch in uns, abhängig von der Situation und Umgebung, in der wir uns befinden, von Moment zu Moment verändert, ist alt. Bereits um 520 v. Chr. besagt der griechische Philosoph Heraklit innerhalb seiner Flusslehre: 

„Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln“.

Und genauso verhält es sich. Alles was wir in uns wahrnehmen (Gedanken, körperliche Empfindungen oder Emotionen) und alles was uns umgibt, verändert sich von Moment zu Moment. In welche Richtung diese Veränderung verläuft, hängt davon ab, durch welche bewussten oder unbewussten Reize unsere Aufmerksamkeit gefangen wird. Denn: Alles, was uns im Außen begegnet, hinterlässt Spuren in unserem Gehirn. Unser „innerer Filter“, sprich das, worauf wir automatisch unsere Aufmerksamkeit richten, beeinflusst folglich in jedem einzelnen Moment unser Fühlen, Denken und unsere Wirklichkeit. Ist unsere innere Einstellung konstruktiv und fördernd, wird sich diese Tatsache auch auf unser Leben auswirken. Nagen an uns Destruktivität und Zweifel, wird sich auch das in unserem Leben widerspiegeln.

Und hier kommt die Meditation ins Spiel. Sie lehrt uns, unsere Aufmerksamkeit bewusst dorthin zu richten, wo wir sie haben wollen. Das Erlernen des inneren Fokus verbessert den „inneren Filter“ und macht uns langfristig unempfänglicher für unerwünschte Reize. Wir erleben mehr Positives.

Das Purusha Suktam der Rigveda – „die Quelle der Schöpfung“

Die Theorie darüber, dass sich alles gegenseitig beeinflusst und dass alles miteinander verbunden ist, findet sich erstmalig in den Veden – dem Buch des Wissens (ca. 1200 vor Chr.). Der innerhalb der Rigveda verfasste „Purusha Suktam“, einer der Kernverse dieser antiken Schrift, betrachtet alles, was in unserem Körper und in unserem Geist geschieht, als Äquivalent zu dem, was uns später auch im Außen begegnet. Das bedeutet übertragen auf die Wirklichkeit: Wenn unser Inneres Freude, Entspannung und Ruhe ausstrahlt, erfahren wir auch innerhalb unseren Berufs- und Privatlebens Freude, Entspannung und Ruhe. Das Puruscha, also „die Quelle der Schöpfung“, ist der Ort in uns, an dem alles, was sich später im Außen manifestiert, seinen Anfang nimmt – unser Inneres. 

„Der Geist ist alles - was du denkst, das wirst du“ 

sagt Buddha. 

Unser Innenleben, also das, was unser Körper fühlt, das, was unser Gehirn denkt, und die Gefühle, die in uns auftauchen, kreieren folglich unsere äußere Wirklichkeit. Werden wir uns nun darüber im Klaren, dass unser Geist die Welt um uns herum kreiert und dass das, was innen passiert, also unsere körperlichen Empfindungen, unsere Gedanken und Emotionen, auch das Außenleben beeinflussen, wird uns schnell klar, warum es so äußerst wichtig ist, Techniken einzuüben, die uns lehren, aufmerksam zu beobachten, was in unseren Körpern und Köpfen vorgeht, es zu kontrollieren und so nach und nach in eine positive Richtung zu verändern.

Die sich selbst erfüllende Prophezeiung

Innerhalb der modernen Psychologie wird dieses Phänomen als die „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ bezeichnet. Erwarten wir etwas Gutes, wird uns sehr wahrscheinlich auch etwas Gutes begegnen. Und genau hier kommt Yoga ins Spiel. Es verhilft uns über das Einüben von Aufmerksamkeit und Konzentration unsere Aufmerksamkeit dorthin zu richten, wo mehr Gegenwärtigkeit und mehr Positivität zu finden ist.

„Aus Sicht der meditativen Traditionen leidet unsere gesamte Gesellschaft an ADHS.“  (Jon Kabat-Zinn)

Die Fülle unterschiedlicher Informationen, die vor allem durch das TV, das Internet und die Printmedien auf uns einströmt, überfordert unser Gehirn und erschwert die Konzentration auf den Moment. Gegenwärtigkeit aber bildet langfristig die Voraussetzung für das Empfinden von innerer Ruhe und Zufriedenheit. Das Grübeln über die Vergangenheit und die Angst vor dem Morgen, wie sie unter anderem durch die Massenmedien geschürt werden, führen zur Unzufriedenheit und Angst. Menschen, die Angst haben, sind wiederrum manipulierbar und schwach. Sie sind Mitläufer, die aus Angst nicht in ihre wahre innere Größe und Stärke gelangen können und so ihre enormen Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Wir alle wissen es, und trotzdem ändert sich nichts...

Tagtäglich erreichen uns neue Horrormeldungen, die die Angst vor der Zukunft vergrößern und das Leben und Erleben der Gegenwart erschweren. Wo nur bleiben die Nachrichten über all die guten Dinge, die ebenfalls täglich um uns herum auf dieser Welt passieren? Sie sind da – aber wir sehen sie nicht! Und genau das ist das Problem. Wir leben in einer Täuschung – duhkha. Duhkha ist das Ergebnis der leidvollen Spannungen (Kleshas). Patañjali zufolge ist jeder einzelne Mensch damit behaftet.

Die 5 Kleshas nach Patañjali:

  1. Avidya – das Nichtwissen
  2. Asmita – die Ichverhaftung
  3. Raga – die Gier
  4. Dvesha – die Abneigung 
  5. Abhinivesha – die Angst

Die Kleshas sind tiefsitzende, dem Bewusstsein verborgene Kräfte, die sich wie ein Schleier über die Wahrheit legen und so zu Leid und Täuschung führen. Sie verdecken unsere wahre Natur und hindern uns so auf unserem Weg zur Selbsterkenntnis. Sie führen dazu, dass wir Unwahres für wahr halten und verhindern unsere Entfaltung und ein normales, gesundes, subjektives, soziales Erleben. Und genau das lässt sich überall auf der Welt feststellen. Immer mehr Menschen verlieren sich selbst in der „Vielzahl der Objekte“, die sie umgibt. Sie wählen „rechts“, verspüren Fremdenfeindlichkeit und viele andere, die Gesellschaft und das Leben schädigende Emotionen. Die Folge? Noch mehr Gewalt, Krieg und Terror auf der Welt.

Durch Konzentration und Meditation können wir die Wahrheit besser erkennen und die Kleshas überwinden. Wenn wir nach innen schauen, erkennen wir unsere wahre Natur. Dann kann es uns auch gelingen, den Fluss des Lebens mit Freude, Liebe und Gelassenheit anzunehmen.

Die von Anna Trökes angeleitete 13-minütige Meditation gibt dir die Möglichkeit, deinen inneren Raum zu spüren und zu erfahren:

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